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#liebesgeschichten

Einsam um die Welt XIV

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Einsam um die Welt XIV | story.one

Da die Tulpen gestern schon leicht die Köpfe hängen ließen, entschließe ich mich beim Kaffee heute schon neue zu besorgen, um etwas mehr Farbe in das triste Krankenzimmer zu bringen. Wenn ich es richtig behalten habe, mag Aischa Blumensträuße in Uni oder die Farben müssen Ton in Ton abgestimmt sein. Da meine Daumen tiefbraun sind, werde ich wohl auf die Beratung der Fachverkäufer angewiesen sein.

Ich suche einige CDs von Bands zusammen, die vielleicht Anklang finden könnten, wenn ich da auch wenig Hoffnung hineinsetzte. Bei den Büchern wird es einfacher, da ich doch Schnittmengen unserer Geschmäcker entdecken konnte. Die Tatsache, dass ich sie gleich wiedersehen werde, lässt mich bereits über den Boden schweben, aber als ich eine neue Nachricht von ihr erhalte:

Lieber Bad,

Ihre Besuche helfen mir gerade über so vieles hinweg, dass ich Ihnen gar nicht genug dafür danken kann. Ich hatte gestern Morgen so viele schlimme Gedanken und wusste nicht mehr, wie es weitergehen soll. Sie haben mich aus diesem Tief geholt und mir Zuversicht geschenkt, dass es sich zu Leben lohnt.

In tiefer Dankbarkeit Aischa

Bei den Worten muss ich mich erst einmal setzen, nachdem mir ihre volle Bedeutung klar wird, und mich ermahnen, Zurückhaltung zu üben. Ich überprüfe daraufhin noch einmal meine Buch– und CD Auswahl und tausche das ein oder andere aus, was zu viel Düsternis in sich trägt und wähle nur lebensbejahende Werke voller Zuversicht, wenn die auch rar gesät sind in meinem Repertoire. Zusätzlich entschließe ich mich auch früher als geplant zu ihr zu fahren. Mir ist nur zu gut bekannt, wie schnell man in die Abgründe der Gedanken gezogen wird, wenn man ganz allein mit sich ist und nicht weiß, wie man Probleme angehen soll.

Kurz bevor ich aufbreche, keimt in mir noch die Idee, einige Spiele herauszusuchen, die man gut zu zweit oder sogar allein Spielen kann. Auch mein altes Tablet reaktiviere ich. Setzte es auf Werkszustand zurück. Es funktioniert noch tadellos, wenn auch die neuesten Apps nicht mehr darauf laufen, aber das Internet ist voll mit brauchbarem Material. Ich muss die kleine Tasche gegen die Große austauschen und entschließe mich, das Auto zu nehmen, es wird sowieso Zeit, es mal wieder zu bewegen.

Die Blumenverkäuferin ist sehr hilfsbereit und bindet mir den perfekten Strauß. Ich entscheide mich, ihn nicht zu groß zu wählen und mit einer Farbe der Hoffnung erstrahlen zu lassen. Ich bin bepackt wie ein Esel und frage mich, ob ich es nicht ein wenig übertrieben habe. Aischa scheint sich die gleiche Frage zu stellen, als ich wie ein German Muli ihr Zimmer betrete. „Wollen Sie hier einziehen Bad?“ Und in Ihrer Stimme schwingt eindeutig Fröhlichkeit mit. „Nein Aischa natürlich nicht, ich dachte nur Sie könnten etwas Unterhaltung gebrauchen, wenn Sie den ganzen Tag hier seelenallein herumliegen!“

© BadLetters 2021-05-04

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