skip to main content

#wandel#neustart#jetzterstrecht

Am Anfang steht kein Umkehrschluss

  • 360
Am Anfang steht kein Umkehrschluss | story.one

Wenn mans richtig betrachtet … ja, so richtig von allen Seiten im Rundumgeschleudert-dreihundertsechzig-Grad-Modus betrachtet, so sollte er, richtig betrachtet, müsste Lutz umkehren. Doch was heißt schon richtig betrachtet? So gesehen betrachtet ers falsch, so richtig grottenfalsch.

Umkehren geht grad jetzt, bei Lutz' grottenfalschem Betrachten, sowieso nicht. Die nächste Autobahnausfahrt lässt noch länger auf sich warten, trotz seines, vorsichtig ausgedrückt, eher dynamischen Fahrstils. Und nur dann und dort könnte Lutz das, was er gerade betrachtet, ob richtig oder falsch, in die Tat umsetzen. Nur just an dieser Stelle, wenn er nicht den Anschein eines Kamikazeausflugs erwecken will. Wie sich später, beim Hinweis besagter Autobahnausfahrt, exakte eintausend Meter vorher angekündigt, wie sich exakt da herausstellen sollte, zeigts sich mal wieder, was richtig betrachtet im falschen Moment wert ist: nichts. Oder auch, was falsch betrachtet im richtigen Moment: immer noch nichts. Um nichts in aller Welt sollte Lutz in diesem Augenblick und jemals einen Augenblick danach auf seiner Fahrt, auf seiner geplanten Reise, die jedoch ganz anders verlaufen sollte als geplant, mehr daran denken … er sollte partout nicht mehr ans Umkehren denken. Er sollte es auch nicht bereuen, dass sein zwischendrin, vor einigen Minuten mal angedachtes richtiges Betrachten weder richtig noch falsch, schon gar nicht grottenfalsch war.

Also … umkehren geht grad jetzt wirklich nicht, wenn Lutz nicht mit der Option auf tausend versprochene Jungfrauen in ein anderes Leben krachen will, wenn er in einem anderen Leben einem leidenschaftlich Hobby nicht nachgehen will, das er in diesem Leben schon nicht hätte bewältigen können. Also … wenn überhaupt, hätte er schon sehr viel länger vorher umkehren müssen. Als es noch gar kein Umkehren im wahrsten Sinne der Bedeutung des Wortes gewesen wäre.

Daheim beim Packen seiner Reisetasche beispielsweise … da wärs allerhöchstens zum Auspacken gekommen. Oder beim Verstauen der Reisetasche im begrenzten Raum des Kofferraums seines Autos, in dem er jetzt sitzt, in Lutz' Falle eines wiederum im wahrsten Sinne des Wortes Reisetaschenraums, keines Kofferraums; böse Zungen äußerten sich oft genug amüsiert über einen Handtaschenraum, allerhöchstens einen Handgepäckraum. Pocketformat, wie er sich zu solchen Anlässen eingestehen muss. Dann, ja dann wärs auf ein Rauszerren der eingequetschten Reisetasche geworden, das Umkehren. Oder … umkehren hätte er ebenfalls noch einigermaßen konsolidiert und moderat kurz nach dem Einsteigen, Starten und Herausscheren aus der Parklücke, nicht weit von seiner Wohnung. Dann wärs ein kurzer Ausflug, ein kleines Warm-up, eine Aufwärmrunde um den Block geworden, danach wieder ein Bremsen, ein Einparken, ein Aussteigen, ein kurzes Treppensteigen noch, ein Aufschließen der Wohnungstüre und alles hätte seinen gewohnten Montagmorgengang genommen …

© Bernd Lange 2021-11-30

Schreibst du auch ein groĂźes Werk?

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂĽber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.