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Eine Frage - nein, eine Antwort des Glücks

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Eine Frage - nein, eine Antwort des Glücks | story.one

Es ist keine Frage des Glücks, wenn wir jeden Tag neuen Bildern begegnen – Bilder, die aus Glücksgefühlen erwachsen, und wenn der Zufall es will, sich zu einer Komposition verdichten. Immer auf eine andere Art öffnet sich der Bühnenvorhang unseres Lebens.

Ich sitze in einem Café. Draußen, auf einem der Stühle, an einem der Tische, die geordnet den Platz, auf dem sie stehen, beleben. Es ist Sonntag, ein goldener Herbsttag, an dem die Sonne jetzt um die Mittagszeit nochmals mit der ganzen Evidenz ihrer Fülle strahlt und wärmt. Vor mir auf dem Tisch steht ein Cappuccino. Der erste heiße Schluck, der durch die lauwarme, aufgeschäumte Milch meine Lippen erreicht, ist so ein Spannungsmoment, der Moment, an dem sich der Bühnenvorhang öffnet. Ein Stück Glück? Ja, ich empfinde diesen Augenblick als Glücksmoment.

Früher Nachmittag – die Sonne gibt nochmals alles an diesem Sonntag. Meine Gedanken bewegen sich langsam, ganz langsam weiter, in einen noch unbekannten Raum. Einen Raum, in dem die Grenzen fließend sind, der sich mir ganz weit öffnet. Aus dem Glücksmoment, der mir für eine kurze Zeit den Atem nahm, entsteht eine tiefere Ebene meiner Wahrnehmungen. Zeit und Raum verdichten sich unter einem Glücksbogen.

In dieses Gefüge der atmosphärischen Dichte meiner Gedanken fällt urplötzlich ein Schatten. Ein Schatten? Es darf nicht sein, was nicht sein kann. Ein Schatten ist nicht vorgesehen in meinen Bildern, die ich gerade in mir sehe. Für einen kurzen Augenblick: Ich erkenne beim Aufblicken die Silhouette eines Menschen, der mich fragt, ob der Platz neben mir noch frei ist. Ich wäre jetzt auch weiterhin gerne alleine, möchte gerne auf der Welle des Glücksmoments dahintreiben, würde mich gerne im Kreis meines Glücksbogens eingeschlossen fühlen.

Das könnte jetzt anders werden. Ich sage Ja, der Platz neben mir ist frei, bitte sehr, nicht gerade jubilierend, doch auch nicht abweisend.

Mein Glücksmoment wurde schon vor geraumer Zeit abgedrängt, und wunderbar überlagert hat ihn mein Glücksbogen. In diesen Gedanken verwoben habe ich den Platz neben mir mit dem Ja und der Geste des Bittesehr angeboten, ohne zu erkennen, wer sich nun neben mich sonnen möchte.

Die Person hat sich linker Hand neben mich hingesetzt, ich schaue in das Gesicht meines Gegenübers, besser, meines Schrägnebenmirs. Ich schaue in Augen, die mich anlächeln, die Wärme ausstrahlen. In die Augen einer Frau, die ich in Gedankenbildern schon oft als Traumfrau vor mir hatte. Jetzt sitzt sie neben mir, wir lachen uns an. Glücksmomente verdichten sich, der Glücksbogen spannt sich, wird zur Glückssträhne. Der letzte Gedanke, der mir gerade noch geblieben ist, bevor ich in ihren Augen versinke …

Epilog

Glücksmomente konzentrieren sich auf einen Punkt. Glücksbogen symbolisieren eine räumliche Dimension. Eine Glückssträhne ist auf Zeit angelegt – wenn jeder Tag ein neues Glücksgefühl vermittelt. Was wäre das für ein Glück, wenn das Leben einfach so weitergehen könnte.

© Bernd Lange 2020-11-07

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