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Erinnerungsfüllungen

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Erinnerungsfüllungen | story.one

Erinnerungen an Begegnungen. Erinnerungen, die immer hinterherfolgen, während wir schon einen nächsten Schritt setzen. Die uns beim Innehalten einholen, die haften bleiben, die sich unverrückbar festsetzen … Erinnerungen an Bilder. Erinnerungen, die uns vorauseilen, wenn sie als Film vor unseren Augen ablaufen.

Auch wenn jedes einzelne Wort zum Bild wird, müssen wir in unseren Erinnerungen auf so vieles verzichten. Weil wir uns begrenzen müssen, um uns nicht zu verlieren. Was uns berührt hat, wenn wir uns berührt haben, werden wir beiseite legen. Um immer wieder neu beginnen zu können. Damit uns dabei gelingt, Raum für Unmögliches zu schaffen. Das Unmögliche zu vollbringen, unseren Erinnerungen zu folgen. Um unsere Schritte in die Spuren unserer erlebten Begegnungen zu setzen.

Erinnerungen an unsere Geschichte, an die Geschichte zweier Menschen. Erinnerungen an eine Geschichte, die weder zum Vorlesen noch zum Nachlesen geeignet ist, nicht kontinuierlich Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite geschrieben ist. Auch nicht geschrieben werden kann. Eine Geschichte zwischen uns, die an irgendeinem Punkt beginnt, einem Ausgangspunkt. Die vor- und zurückspringt. Die verweilt, ab und zu innehält. Die sich wiederholt. Die sich verzweigt, in simultanen und divergierenden Bewegungen. Die sich übereinstimmend wieder zusammenfindet. Eine Geschichte, die sich ausklingt, die sich verliert, die den Faden wieder aufnimmt, die ihrem eigenen Rhythmus folgt. Die aber auch an den Schwingungen fortlaufender Geflechte entlangbalanciert.

Erinnerungen an einen Ausgangspunkt. Erinnerungen an eine Begegnung, die kommen musste, die keinen Aufschub mehr duldete. Die zwingende Notwendigkeit, miteinander zu reden. Unsere Worte zu fühlen, nachdem uns geschriebene Worte zu entgleiten drohten. Es führte zur Bereinigung der Gedanken, der Gefühle. Es beschleunigte die Entschleunigung der Ängste, der Sorgen. Die Begegnung wurde zur Wiederkehr, zur Rückkehr zum Basislager des Verstehens, des Gleichklangs. Das Zusammenspiel von Kopf, Herz und Seele erlaubte Bilder, bewahrte Klänge, Blicke, Düfte, Berührungen. Bilder, die sich mit unvergesslichen Erinnerungen umschreiben lassen.

Erinnerungen an einen Endpunkt. Erinnerungen, bei denen sich immer noch fragende Gedanken verstricken, verknoten, verfilzen. Erinnerungen an Begegnungen, die sich nicht füllen lassen: Sind wir gegen den Strom der Momente geschwommen, um die verflossene Zeit zurückzugewinnen? Oder haben wir uns von den Wellen des Glücksrausches tragen lassen, um jeden einzelnen Moment auf Dauer zu bewahren?

Der Raum, Unmögliches zu schaffen, blieb unmöglich. Unsere Schritte für immer in die Spuren unserer erlebten Begegnungen zu setzen, sollte scheitern. Der Weg war zu steinig. Filmriss: auf wieder gewohntem Weg blieb eine Erinnerungsleere zurück.

© Bernd Lange 2022-08-10

Lebe den MomentReflexionenGELIEBTE/R

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