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Panificio al Porto

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Panificio al Porto | story.one

Da steht sie hinter der Theke, wie eh und je, Signora Batelli, Capo della sua Panetteria, während ihr Mann Guiseppe hinten im Panificio vor und zwischen den Holzöfen schwitzt und die Brotlaibe mit seiner langen Holzschaufel dampfend heiß wieder ins Licht der Öffentlichkeit holt. Ein unvergleichlicher Duft, der durch die ganze Bäckerei, Schicht für Schicht ineinanderwabernd, seine Bahnen zieht und jede Ecke füllt.

Signora Batelli, die in den frühen Morgenstunden und am Wochenende, wenn ganz Giglio Porto auf den Beinen ist und einkauft, immer von ihrer Tochter Laura tatkräftig unterstützt wird, steht inzwischen allein hinter dem Ladentisch und der uralten Kurbelklingelkasse. Die jedoch nur noch historisches Schmuckstück ist und nicht mehr zum Einsatz kommen darf, seit der Fiskus vorschreibt, dass jeder Kunde mit der Ware einen Kassenbon erhalten muss, und den im Bedarfsfall auch noch längere Zeit nach dem Kauf auf der Straße eventuellen Fahndern der Guardia Finanza vorzuweisen hat.

Diese Signora Batelli macht, als ich den kleinen Laden betrete, nichts anderes als sonst auch, wenn sie nicht grad bedienen muss: Sie palavert lautstark mit ihrem Mann, der, ebenfalls wie immer, in seinem hinteren Teil der Backstube überhaupt nichts hört, wahrscheinlich gar nichts hören will, und das Gekeife seiner Frau vollkommen ignoriert. Über das Phlegma von Guiseppe Batelli bin ich jedes Mal aufs Neue frappiert. Das einzige Geräusch, auf das er in der Backstube achtet, kommt vom knisternden Holz aus dem inneren Feuerschein der Öfen – so ist zu vermuten.

Auch über Signora bin ich immer wieder aufs Neue verblüfft: Sie, die einigermaßen raumfüllend hinter ihrem Ladentisch schwer atmend steht, niemanden grüßt, Bestellungen wortlos entgegennimmt, die Brote genauso wortlos einpackt und auf die Theke legt, den Kassenbon dazupackt, damit der Kunde den zu zahlenden Betrag ablesen kann, mit verkniffenem Gesicht das Geld grabscht sowie Wechselgeld herausgibt und weder ein Arrivederci geschweige denn ein Ciao verlauten lässt. Vollkommenes Stillschweigen – so lange, bis kein Kunde mehr im Laden ist ... denn dann fängt das unaufhörlich keifende Schwadronieren in Richtung Backstube wieder an. Das wiederum schlagartig aufhört, wenn beim Öffnen der Türe die darüber angebrachte Glocke schrill ertönt, um einen Kunden anzukündigen.

Doch der Laden brummt, das Brot schmeckt gnadenlos gut, die Gerüche aus der Backstube sind nicht zu toppen - ist es ja die einzige Bäckerei im Hafen von Giglio. Um Punkt halb zwölf schließt Signora Batelli ihr Geschäft ab, während ihr Mann weiter im Dienste des Brotes schwitzt. Es gibt kaum ein Ristorante auf der Insel, das nicht Pane von Signore Batelli als Contorno auf den Tisch stellt und zum Essen serviert. Von den Pizze ganz zu schweigen, der Teig ist ausnahmslos von seinen Händen durchgeknetet, bevor sie mit der individuell gewünschten kulinarischen Oberschicht vorgesetzt, scusi, aufgetafelt werden.

© Bernd Lange 2020-08-30

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