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#lastchristmas#eigenartig#everydaystorysalltagsgeschichten

Ho ho ho

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Ho ho ho | story.one

Es geschah zu einer Zeit, als der Startschuss zur diesjährigen Tour de France fiel. Die Zeitung schrieb vom zweitwärmsten August aller Zeiten, die App bezeichnete die Wettersingularität als Hundstage.

Pünktlich läutete der Weihnachtsmann, mit seinem Schlitten vom Himmel hoch herkommend, im Supermarkt an der Ecke die Adventszeit ein: 29. August 2020 – in den Regalen der Abteilung Süßwaren strahlten die Leckereien aus der Weihnachtsbäckerei im vollen Kerzenschein. Gut klimatisiert, während wir draußen unter schattenspendenden Sonnenschirmen bei eisgekühlten Getränken dahinschmolzen.

Um es sich auf der Zunge zergehen zu lassen:

* feinste Schokoladen-Lebkuchenherzen, 12 Stück, 250 g im Märchen-Häuschen verpackt

* frisches Gourmet-Zimtsterngebäck in aufgedruckten 200 g Folienbeuteln

* fruchtige, doppelt gefüllte Dominosteine mit edler Zartbitter-Schokolade überzogen, 10 Stück, eingetütet

* feinwürziger Butter-Spekulatius, abgepackt in handlichen 125 g-Klarsichtpackungen.

Geplante und erhoffte Vermarktungs- und Umsatzziele, so war jedoch der einschlägigen Wirtschaftspresse zu entnehmen, blieben bei weitem hinter den Erwartungen zurück.

Wer denkt auch bei seinen Urlaubsvorbereitungen, bei denen es auf Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor 30, auf Sensitive-Après-Fluids und auf Brausetabletten mit hoch dosiertem Calcium und antioxidativem Beta-Carotin ankommt, sich und seine Kleinen am Strand mit Mandelsplitter-Spekulatiusplätzchen zu verwöhnen?

Oder wer erwägt beim Packen seines immer viel zu schweren Wanderrucksacks, wie aufbauend bei einer Rast auf Felsgestein neben dem Gipfelkreuz zusätzlich zu den Isotonic-Sports-Drinks und Power-Energy-Müsliriegeln ein fruchtig erfrischender Quitten-Cranberrys-Dominostein mit zartem Marzipan schmeckt?

Oder wer liebäugelt an einem lauen Sommerabend in trauter Partystimmung rund um den Dreibein-Holzkohle-Schwenk-Grill, bei dem die wabernden Gerüche von deftig Bruzzelndem die gesamte Nachbarschaft erfreuen, zum Essig-Öl-Mayonnaise-Salat und knusprigem Bauernbaguette auch angeröstete, mit Kirschkonfitüre gefüllte Zimtsterntaler zu kredenzen?

Und wem gelüstet nach einer ausgiebigen Radtour durch heimische Wälder und über geschwungene Felder, die – erstere – noch in sattem Grün rauschen und – letztere – wo das wiegende Korn noch in voller Pracht von der Sonne verwöhnt wird, beim Einkehrschwung in die einschlägigen Ausflugslokale bei Radler und mit Tomatenschnitz und Salatblatt garniertem Wurstsalat herzhaft in eine Lebkuchenbrezel reinzubeißen?

Kling Glöckchen, klingelingeling … somit ist eindeutig festzuhalten, die Vorweihnachtszeit ist heutzutage sehr viel flexibler geworden: Statt der mal angedachten 24 Tage lassen sich die Einkaufsvorbereitungen zum Weihnachtsfest auf satte 147 Tage verteilen – im Grunde genommen sehr viel stressfreier, wenn … tja, wenn wir Verbraucher mitgemacht hätten.

© Bernd Lange 2020-12-06

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