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#whatislove#leidenschaft#poesie

Im Meer der Liebe

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Im Meer der Liebe | story.one

Die Liebe? Gelingt es ihr, mir treu zu bleiben? In Momenten, wenn ich in sie eintauchen darf, wenn sie mich durchflutet, wenn sie in mir fließt. In Augenblicken, wenn sie mir einen Moment des Rausches in Erinnerung ruft, um die Nähe des Glücks darin zu spüren. Wenn Himmel und Meer in entfesselnder Umarmung mit mir das Lied der Liebe tanzen. Wenn ich in den Fluten der Jahreszeiten in jeder Faser meines Körpers die berauschende Stille spüre, die die Liebe zum Leben erweckt.

Für einen kurzen Augenblick zu einem frühlingshaft blühenden Himmel aufzuschauen, aus dem watteweich ein verspieltes Wolkenmeer purzelt, um ins Wellenmeer der Gefühle einzutauchen. Während eines Wimpernschlags einem flatternden Schmetterling zuzuschauen, der mit dem leichtfüßigen Sommernachtswind taumelt, um schwerelos in den Armen einer träumenden Bougainvillea zu versinken. In einer Seelenruhe den silbernen Fäden nachzuschauen, die feinfühlig durch den Altweibersommer schweben, um zärtlich das hellleuchtend lockende Hagebuttenrot zu umschlingen. Einen Atemzug lang ein glitzerndes Eiskristall anzuschauen, das im ersten Wintersonnenstrahl des späten Morgens fröstelnd erwacht, um sich andächtig einem zarten Schmelzen hinzugeben …

Die Liebe lässt sich nicht bitten. Schon gar nicht braucht sie einen Tag wie heute, auf vierundzwanzig Stunden begrenzt: Valentinstag. An einem Tag wie diesem, der so lieblos, so geschmacklos, so kommerziell prätentiös daherkommt, versagt das Glücksgefühl im poetischen Gefüge meiner Worte, verzagt meine hingebungsvolle Liebe zum einfühlsam eingelegten Wort.

Ich fühle mich heute verloren, möchte Peter Stamms »Agnes« zu Wort bitten: ›Glück malt man mit Punkten … Du musst, wenn du unser Glück beschreiben willst, ganz viele kleine Punkte machen wie Seurat. Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen.‹

Pointillismus in der Malerei: Jede Fläche enthält alle Farben und wirkt erst aus der Distanz als Verschmelzungstaumel – die Liebe ein Meer aus Farben, die miteinander verschwimmen. Ob dies auch mit Worten gelingt? Signillismus in der Schreiberei: Jeder Satz enthält alle Schraffuren und wirkt erst im Ganzen als Sinnesrausch – die Liebe ein Meer aus Worten, die sich miteinander verbinden, die sich wie zu einer Endlosschleife verdichten.

Wenn die Sonnenstrahlen auf schaumgekrönten Wellenhügeln ein nicht enden wollendes Aufblitzen von glitzernden Punkten auslösen und sich im ständigen Wellengeflüster zu einem glücklichen Bild vereinen.

Die Liebe verdichtet sich zum in sich stimmigen Gefühl im Meer der Worte – mise en abyme im Meer der Liebe:

𝙡 𝗶𝗲𝗯𝗲. 𝗶nnerer 𝗲inklang 𝗯lauen 𝗲rlebens.

𝙞 𝗻𝗻𝗲𝗿𝗲𝗿 – 𝗻icht 𝗻ur 𝗲rregender – 𝗿ausch, 𝗲benso 𝗿hythmischer

𝙚 𝗶𝗻𝗸𝗹𝗮𝗻𝗴 𝗶n 𝗻eu 𝗸omponierter 𝗹ust 𝗮n 𝗻uancierten 𝗴efühlen

𝙗 𝗹𝗮𝘂𝗲𝗻 𝗹iebens. 𝗮uf 𝘂ngewohnten 𝗲mpfindungen 𝗻ahen

𝙚 𝗿𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻𝘀 – 𝗿ote 𝗹iebe 𝗲rhört 𝗯laue 𝗲chos, 𝗻icht 𝘀pürbar.

© Bernd Lange 2021-02-14

whatisloveleidenschaftZeitPOESIE eines Moments

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