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#reisen#essen#wohlf├╝hlen

puro

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puro | story.one

Ein kleiner runder Tisch, drei St├╝hle, geduckt in einer der hinteren Ecken. Ich sitze bei einem Glas Wein. Fasswein, sein eigener, sagt der Wirt. Der Wirt hei├čt Luciano, es ist seine Trattoria, es ist sein Wein, es ist seine Welt, es sind seine G├Ąste.

Vorne links, gleich neben der T├╝r, sitzen die Alten. Stumm. In Gedanken reden sie immer das gleiche. Jeden Tag. Von den Zeiten, als sie noch vom Fischfang lebten. Ihr Getr├Ąnk hei├čt Sehnsucht, der Tisch vor ihnen bleibt leer, einer h├Ąlt zitternd seine kalte Zigarette. Aus dem Transistorradio hinter der Theke singt Sergio Caputo Lieder von Liebe und Hoffnung.

Weiter rechts, mir gegen├╝ber, sitzen zwei, mit sich selbst zufrieden. Ihr Mahl, eine Brasse, endet mit einer Grappa. Luciano ist ber├╝hmt wegen seiner Fische. Und wegen seines Weines. Seines eigenen, wie er sagt. Ich trinke noch ein Glas.

Maria kommt aus der kleinen K├╝che, mit einem Teller dampfender Spaghetti ai funghi. Maria ist die Frau von Luciano, gef├╝hlt schon immer. Sie ist die Chefin in der K├╝che. Die Alten nicken, als sie Maria sehen. Die Spaghetti gehen an den Tisch links neben mir. Geschickt und flink dreht sich die Gabel. Das ganze Lokal riecht nach Pilzen.

Maria ist zu dick f├╝r ihre enge K├╝che. Was sie ihren G├Ąsten bietet, schmeckt auch ihr. Zu seinen Spaghetti braucht er noch ein Bier, der Wirt ruft ihn Lucio, ihn links neben mir. Mir bringt Luciano noch einen Wein, seinen eigenen, wie er sagt.

Die Trattoria hat mehrere hintere Ecken, ich sitze in einer, bei Wein, Lucianos eigenem. In einer anderen, an dem einzigen rechteckigen Tisch, spielt die Leidenschaft. Die W├╝rfel knallen hart auf Eichenholz, die H├Ąnde bewegen schnell das Spiel. Scheine, tausend Lire, wechseln st├Ąndig ihren Besitzer. Die F├╝nf werden immer lauter, erregter. Es geht um Geld. Und um die Ehre.

Vongole del Luciano, die Muscheln sind f├╝r mich. Maria hat sie gemacht, in ihrer zu kleinen K├╝che. Hei├č dampfen sie auf dem Teller. Sie schmecken gut zu Lucianos Wein. Die Alten, vorne an der T├╝r, nicken guten Appetit. Luciano macht einen Caff├Ę. F├╝r Claudio, laut begr├╝├čt von allen. Ein L├Âffel Zucker, einmal ger├╝hrt, die Tasse leer, und gleich ist er wieder weg. Ciao.

Es gibt viele Ecken in Lucianos Trattoria. Zwischen Theke und Marias K├╝che ist ebenfalls eine. Eine f├╝r zwei Personen. Die Zwei dort trinken rot, Campari. Fast ungest├Ârt, weil kaum bemerkt. Ihre Worte fl├╝stern sie sich mit den Augen zu. Ihre Traumwelt hat an einem kleinen Tisch Platz gefunden. In einer hinteren Ecke bei Luciano.

Die Alten sind schon lange fort. Die Spieler auch. Maria macht ihre K├╝che zu. Luciano gibt die letzte Runde Grappe. Auf Kosten des Hauses. Auch das ist sein eigener, sagt er. Sagen auch die letzten G├Ąste. Sie m├╝ssen es wissen. Sie sind jeden Abend die letzten G├Ąste. Sagt Luciano. Nur wer jeden Abend der letzte Gast ist, kommt am n├Ąchsten Tag wieder. Zu Luciano.

In der Trattoria del Luciano steht der kleine runde Tisch. Ich sitze dort mit meinem Glas Wein. Dem letzten f├╝r heute, sagt der Wirt.

┬ę Bernd Lange 2021-04-05

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