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#familie#lastchristmas

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

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Über Geschmack lässt sich nicht streiten | story.one

Zu Weihnachten dieses Jahres sollte dies geflügelte Wort unstrittig ad absurdum geführt werden, wurden ihm eindeutig die Flügel gestutzt: Über Geschmack lässt sich seitdem köstlich, ja ganz vorzüglich streiten …

Von vorne: Es begab sich zur Adventszeit, dass die anlässlich des bedrohlich recht naheliegenden Weihnachtsfestes teilnehmenden Familienmitglieder via Facetime ausgiebig über das nach der obligaten Bescherung genau so obligat anstehende Heiligabendmahl beratschlugen. Traditionell wird zu dieser Stunde im Gegensatz zu den darauffolgenden Weihnachtstagen eine einfache, schlichte sogenannte Hausmannskost gepflegt. Da nun dieses Jahr der heiligste aller Heiligen Abende auf einen Freitag fallen sollte, einigte man sich auf Fisch − nicht, weil das Team ausgesprochen pietistisch lebt … an diesem doch besonderen Freitag wollte man mit gutem Beispiel vorangehen.

Es wurde basisdemokratisch abgestimmt, wobei alle Augen und Ohren auf dem Enkel lagen, inzwischen zehnjährig, binär alt − wie ich der zeitgenössischen hochkarätigen Literatur entnehmen konnte, wird dieses Alter nicht mehr in Zahlen ausgedrückt. An dieser Stelle sollte erwähnt sein, dass selbiger Enkel grundsätzlich alles isst, solange noch grundsätzlicher Salami dabei ist, reichlich Salami, also die Salami dominiert. Wenn das passt, dann ist er dabei, war von allen deutlich zu hören: ›… eh klar, alles fix!‹. Der einstimmig gefasste Beschluss: An Heiligabend kommt Fisch auf den Tisch.

Fisch also: Matjeshering in würziger Dillsauce mit üppig Zwiebeln und Gurken an Pellkartoffeln − nach klassischer Hausfrauenart, in diesem Fall nach Großmutternart. Und auf Wunsch eines einzelnen jüngeren Herrn selbiges nicht an Kartoffeln, sondern an echt ungarischer Salami.

Am 24.12. war es soweit − der Weihnachtsmann hatte seinen Sack am Lieferanteneingang durch die Hintertür ausgepackt, die üblich verdächtigen Weihnachtslieder waren geblockflötet und gesungen, der Weihnachtsbaum bzw. die an ihn geklemmten Kerzen brannten … und die Bescherung lief auf Hochtouren. Die erste unter dem Weihnachtsbaum aufgetürmte verlief in harmonisch juchzender Eintracht, bei der zweiten auf dem Teller aufgetischten hingegen kam es zu recht unweihnachtlich klingenden Misstönen. Ein Wunder war nicht geschehen, es war zu erwarten, ja zu befürchten: Dem Junior schmeckte die Kombi Fisch & Wurst nicht − seine Geschmacksnerven waren hörbar gereizt … er erinnerte an den Suppenkaspar im Struwwelpeter.

Die Reaktion seiner Geschmacksnerven übertrug sich schlagartig auf die Nerven aller am Abendmahl Beteiligten − sie lagen blank, der O-Ton der unmittelbar Erziehungsberechtigten ließ keinen Kompromiss zu, genau so fix: ›… entweder du isst das − oder gar nichts!‹.

Das Ende vom (Weihnachts-)Lied: Sein binäres Weihnachten hatte er sich ordentlich versalzen. Bis jetzt ist noch keinem zu Ohren gekommen, ob er Salami ab sofort grundsätzlich vom Tisch fegt …

© Bernd Lange 2021-12-28

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