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Ankommen

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Ankommen | story.one

Die Anstrengungen des Tages zehren an ihr, als sie erschöpft zu Hause ankommt. Ich staune nicht schlecht, derart zahlreich sind die Lichter, die den Raum sanft ausleuchten. Nur ihr eigenes scheint schwach.

“Lass uns den Augenblick genießen. Verweilen. Oder hast du vergessen, wann die Zeit dazu ist?", wende ich mich ihr fragend zu.

Zarter Duft von Kaffee steigt ihr in die Nase und lÀsst lieb gewonnene Erinnerungen aufleben. Mild lÀchle ich sie an, wÀhrend sich ihre Mine weiter verdunkelt. Sie ignoriert mich, mal wieder.

Zu viele Worte schwirren durch ihr Bewusstsein. Fragen, die keine Antworten finden.

WĂ€hrenddessen schlendere ich durch den Raum, betrachte Andenken und versuche mir vorzustellen, was sie bedeutend macht. Ein ausgesprochen betagtes Kuscheltier strahlt heller als der Rest.

Das liebe ich besonders.

Zu sehen, wo die Lichter verborgen liegen.

Im Prinzip ist es ganz einfach, sie zu entdecken.

HÀngen angenehme, schöne Erinnerungen daran, strahlen sie. Im Gegensatz dazu nimmt das Leuchten mit schlechten Assoziationen ab. Die Helligkeit an sich ist dabei irrelevant. Nur die eigene Einstellung zÀhlt.

Meine Finger streichen ĂŒber die Saiten meiner Ukulele und erzeugen feine KlĂ€nge. Ich merke ihr an, wie gerne sie den Abend anders nutzen möchte, wenn sie nur wĂŒsste, womit.

Spielend gehe ich durch den Raum. Beachte jedes noch so kleine Licht darin. In jedem finde ich etwas Besonderes, das ihre Ausstrahlung untermalt. Auch ihr Blick schweift nun umher. Das eine oder andere LĂ€cheln umspielt ihre Lippen, bis sie schließlich zwischen den RĂŒckblicken ihres Lebens einschlĂ€ft.

So viel passiert um sie herum. Dazwischen hat sie einfach verlernt, nichts zu tun.

Zu genießen. Sich zu fragen, was sie gerne hĂ€tte oder machen möchte.

Bestimmt findet sie einen Weg zurĂŒck. Wahrscheinlich trĂ€umt sie gerade davon. Ein zunehmender Schimmer umgibt sie.

© Bianca Rosner 2021-10-14

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