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#matura#introvertiert#jugendliche

Corona & ich

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Corona & ich | story.one

Jugendliche in der Corona-Zeit. Gefangene im eigenen Haus. Stundenlang vorm Computer sitzend, verpassen sie das Schönste am jung sein: Feiern, mit Freunden treffen, all das, was man als junger Mensch so macht. Zudem bekommen sie auch noch ihre Prüfungen geschenkt, das wird ihnen bestimmt noch auf den Kopf fallen. So oder so ähnlich werden die Geschichten über die, gern als “verlorene Generation” betitelten, Jugendlichen erzählt. Für manche mag das zwar stimmen, für mich ist das jedoch nur ein Teil der Wahrheit.

Ich gehörte zu dem oft erwähnten 1. Corona Matura Jahrgang. Trotzdem empfinde ich das alles ziemlich anders. Stimmt schon, die mündliche Matura wurde uns erspart und wir hatten um einiges mehr Vorbereitungszeit, aber das ist nicht die ganze Geschichte. Im März 2020 wurden Hals über Kopf die Schulen geschlossen, gut, dass wir mit den Schularbeiten schon fast durch waren. Das Semester wurde inoffiziell als abgeschlossen erklärt und wir konnten Zuhause in unserem Tempo Vorbereitungen für die Matura treffen. Zwar war die Ungewissheit zermürbend, aber es gab auch viel Positives: So konnten wir lernen wie es für uns passt. Für die, die das nicht so leicht fanden, führte ich in Eigenregie einen Förderkurs, so wie wir das auch schon in der Schule getan hatten, ein. Dass uns die Matura geschenkt wurde, ist Quatsch. Immerhin war die Prüfung schon vorher zusammengestellt. Auch, dass die Jahresnoten miteinbezogen wurden, hatte für kaum jemanden, den ich kenne, eine Auswirkung. Vor allem lernten viele etwas, was sie bis zu diesem Zeitpunkt kaum beherrschten: Selbstorganisation. Da stelle ich mir die Situation für Volkschüler wesentlich schwieriger vor.

Was das Private angeht, kann ich vermutlich nicht so viel beitragen. Immerhin entspreche ich nicht der Norm, falls es das überhaupt gibt. Eine Disco habe ich noch nie von innen gesehen und auch für die Maturareise war ich nicht angemeldet. Corona war eher der lang herbeigesehnte Freifahrtschein, um viel Zeit Zuhause verbringen zu können, Treffen möglichst gering zu halten und einfach mal seine Ruhe zu haben. Für introvertierte Menschen wie mich ist der “Normalzustand” zermürbender. Jedem erklären zu müssen, warum nicht mit ins Kino oder in die Disco will, ist auf Dauer ziemlich anstrengend, weshalb man oft auf Unwahrheiten ausweicht. Nach diesem Jahr erlebt der Begriff "Introvert" allerdings ein Hoch und es fällt wesentlich leichter Anderen sein eigenes Wesen zu erklären. (Dass es überhaupt einer Erklärung bedarf, ist ein anderes Thema.)

Ich bin also vor allem eins: Dankbar. Dankbar, dass niemandem, den ich kenne, etwas passiert ist. Und dankbar für die ruhige Zeit. Auch das sollte mal gesagt werden.

PS: Ich will auf keinen Fall die globalen und persönlichen Katastrophen, die Corona zweifelsohne mit sich gebracht hat, verharmlosen. Das ist lediglich ein Teil meines Empfindens.

© Booktrovert 2021-05-02

changesinlifeQuarterlifecrisis#IntrovertiertCORONA-Jugend ... N O lost generation!

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