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#humor#fremdewelten#duundich

Abenteuer

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Abenteuer | story.one

Dümmer See 2013. Ein diesiger Nachmittag. Diffuses Sonnenlicht.

Ein Paar Schuhe rückt ins Blickfeld. Es betritt den Holzsteg am Wasser. Daneben dümpelt ein rotes Boot. Das Boot wackelt beträchtlich, als der Mann hineinsteigt. Vorsichtig legt er seinen Rucksack hinter sich ab und nimmt im äußeren der Schalensitze Platz.

Ein weiteres Paar Schuhe auf dem Holzsteg am Wasser. Die Frau steigt zu dem Mann ins Boot. Sie hebt das Halteseil des Bootes über den Anlegepfosten und stößt das Boot vom Ufer ab. Sie setzt sich neben den Mann.

Der Mann und die Frau schauen hinüber zum Türmchen. Der Zeiger der Uhr rückt auf 14.10 Uhr. Dreißig Minuten Vergnügen ab jetzt!

Der Mann treppelt rückwärts und lenkt dabei nach rechts, um das Boot zuerst in Fahrtrichtung und danach schnurstracks aus dem schmalen Naturhafen hinauszubugsieren. Er flucht, weil das Boot nicht so reagiert, wie er will. Die Frau nimmt die Kamera aus dem Rucksack von der Rückbank. Der Mann treppelt weiter. Er flucht, weil er von den Pedalen abrutscht. Die Frau schaltet die Kamera ein und hält sie hoch. Der Mann treppelt beherzter. Er flucht, weil das Boot rückwärts in Richtung des gegenüberliegenden Schilfufers schlingert. Die Frau lässt die Kamera sinken und tritt mit in die Pedalen. Das Boot macht einen unvermuteten Schlenker und schlingert nun vorwärts Richtung Schilf. Die Frau setzt die Kamera wieder an. Sie freut sich, dass sie das junge blauschwarze Teichhuhn, das gelassen im Schilf hockt, vor die Linse bekommt. Der Mann mobilisiert all seine Kräfte, um eine Kollision mit dem Schilfufer zu vermeiden. Das Boot ächzt unter den Ausweichmanövern. Der Mann flucht. Das Teichhuhn flüchtet. Die Frau flucht, lässt die Kamera sinken. Das Boot streift das Schilf. Aufgescheuchte Enten flattern schnatternd davon.

Der Mann und die Frau treten nun beide entschlossen in die Pedalen und schlittern an der Schilfkante entlang auf den offenen See hinaus.

Der Mann blickt angespannt nach vorne. Die Frau setzt erneut die Kamera an. Sie hält sie schräg zum Wasser, um die Auf- und Ab-Bewegung des Bootes auszugleichen. Der Mann blickt noch immer geradeaus. Die Kamera klickt. Zweimal. Dreimal. Die Frau flucht, weil die Fotos vom See schräg werden.

Der Mann und die Frau schauen sich an und lachen. Die Frau macht ein Foto von dem Mann. Es ist ein wenig schräg.

Weit draußen auf dem See schaukelt ein rotes Boot. Mit zwei Menschen an Bord. Bravourös umrunden sie gemeinsam eine rote Boje.

Das Tretboot mit der Nummer 20 legt am Holzsteg an. Behände steigen die beiden Menschen aus, schauen hinüber zum Türmchen: Es ist erst 14.30 Uhr.

„Das nächste Mal genießen wir die gesamte Zeit“, sage ich. „Ja, das nächste Mal”, sagst du.

Stimmt. Auf der Xantener Südsee klappt alles schon viel besser. Mit einem grünen Drachen-Tretboot. Außer dass am Anfang …

Ja, wir mögen Abenteuer.

© Brigitte Hieber 2020-06-09

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