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#rettungsdienst#erfahrungsbericht

Sabine - Teil 2

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Sabine - Teil 2 | story.one

„Was isn das für ein oaschloch … ein Stückl nach Rechts, SCHNELLER!“, gab ich dem Auto vor mir, mit der rechten Hand wedelnd, zu verstehen, während die linke auf die Hupe einschlägt um das Folgetonhorn zum Schreien zu bringen. In großem Bogen fuhr ich um das immer langsamer werdende Auto vor mir und reihte mich wieder in die richtige Fahrspur ein. Im Zick-Zack zog ich von Straße zu Straße, überholte, bellte, schrie und keifte. Ich hatte Hunger und keine Lust. Quietschende Reifen untermauerten die ankommende Rettung in der letzten Kurve. Ziel erreicht, Hauptbahnhof, Busleiste-A.

Innerhalb der gesamten Organisation ist bekannt, welche Personen sich dort aufhalten. Motor und Blaulicht abgedreht, blaue Handschuhe übergezogen und ausgestiegen. Schon beim ersten Inhalieren der „frischen“ Bahnhofsluft, brannte sich Ammoniak durch die Nasenhärchen. Überall liegen Dosen und Flaschen. Auch eine sichtlich getragene Unterhose hatte sich auf die Hecke verirrt. Ja, nicht darunter, nicht dahinter … darauf.

„Wo ist das Problem?“, fragte mein Kollege in die Runde, eine Antwort hatten wir sowieso nicht erwartet.

„Wir wurden gerufen, weil jemand einen Krampfanfall hat, stimmt das?“, legte er nach.

Die Runde schwieg, schaute verwirrt um sich und gab uns zu verstehen, dass nichts los sei. Ein älterer Herr, mit schneeweißem Haar und roter Nase wirkte dennoch etwas verteilter als sonst, immerhin kennen wir die meisten Personen dieser Runde beim Namen.

„Na, R., alles fit?“, kniete ich fragend neben ihm.

„Joa, Joa.“ Es roch nach Vergammeltem aus dem Rachen.

„Kennst as eh scho, geh? Wir müssen deine Werte checken, und schauen, dassd wirklich fit bist“, erklärte ich ihm. Die klassische Anamnese und Aufnahme der Vitalwerte erfolgte.

„Na schau, R., alles tiptop, wie ein Turnschuh“, freute sich mein Kollege. Wir wussten beide, mit uns mitfahren, vor allem ins Krankenhaus, will hier sicherlich niemand, außer es schaut richtig schlecht aus.

R. stand auf, schüttelte seinen Kopf, fuhr mit beiden Händen mehrmals über seine weißen Haare, ging zu den anderen auf den Bänken und öffnete eine Dose.

„Na schau, alles wieder gut. Auf in die Mittagspause“, erzählten sich die geteilten Blicke meines Kollegen und mir.

© c_Freude 2021-10-15

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