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#erfahrungsbericht#sabine

Sabine - Teil 5

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Sabine - Teil 5 | story.one

Die Zeit verging nicht. Man bedrÀngte uns immer mehr, ich versuchte Ruhe zu bewahren. Die Menschen um uns wurden immer aggressiver und trauriger. Es gab Schreie, Geschluchze. Aber keine Polizei.

„Das gibt‘s ja nicht! Die sind doch genau da vorne“, zeigte mein Kollege auf die nicht einmal eine Minute zu Fuß entfernte Polizeistation. GefĂŒhlt vergingen Tage, schließlich kam eine Gruppe Polizisten aus der komplett anderen Richtung geschlendert. Ich schickte meinen Kollegen in ihre Richtung los, um zu vermitteln, dass es eilte. Die Situation spitzte sich immer weiter zu. Beschimpfungen, ich sei ein Mörder, ich hĂ€tte nichts unternommen.

Als mein Kollege bei den Polizisten ankam, wurden auch diese sichtlich von der ĂŒberbrachten Nachricht ĂŒberrascht, sie bewegten sich nun weitaus schneller. Sie trafen ein, sperrten rundum ab.

Der Notarzt kam, stellte den Tod fest und beauftragte die Polizei, die Stelle weiterhin zu sichern, bis die Bestattung eintrifft. Wir wurden mit einem trockenen Witz entlassen: „Mahlzeit.“

Dieser ungewöhnliche Einsatz sprach sich schnell innerhalb der Organisation durch. In der Dienststelle erzÀhlten wir beinahe jedem von diesem Erlebnis.

Dienstende. Ich fuhr nach Hause, machte mir ein Abendessen. Schaute fern, legte mich ins Bett und schlief bis 05:00. 06:30 war wieder Dienstbeginn. Obwohl eine Welt unterging, drehte sich unsere unbeschwert weiter. Sie hatte nichts gemerkt. Am folgenden Tag fĂŒhrte mich ein Krankentransport in die Straße nebenan. Ich fuhr hin, stieg aus, schaute zum Ort des gestrigen Geschehnisses, ĂŒberall Menschen. Keine Spur davon, was passiert war. Keine Kerzen, keine Blumen. Auch die „Einheimischen“ der Busleiste saßen an ihren ĂŒblichen PlĂ€tzen und tranken aus Dosen. Ein Platz blieb dennoch leer.

Eine Woche spÀter erfuhr ich, sie hÀtte dort schon mehrere Stunden so gelegen.

© c_Freude 2021-10-15

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