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#tod#meer#enttäuschung

Dunkles Glitzer

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Dunkles Glitzer | story.one

Während ich auf das Meer hinausblicke, komme ich langsam zur Ruhe. Etwas in mir scheint die Trägheit des Wassers und das sanfte Atmen der Wellen zu genießen und anzunehmen. Eine leichte Brise fährt durch meine Haare und streicht sie mir perfekt aus dem Gesicht.

Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel herab und lässt die Wasseroberfläche glitzern.

Mit meinen bloßen Füßen fahre ich langsam durchs Wasser und lasse meine Beine von den Wellen umspielen. Die Welt hier ist lebendig, wach, aufmerksam. Glitzernd und hell.

Ab der Wassergrenze nach unten wird es von Meter zu Meter dunkler. Dunkler, kälter und träger. Müder.

Ich drehe mich um, um die kleine Hafenstadt in der Bucht zu durchforsten. Mich nur ein einziges Mal umzuschauen, mehr brauche ich nicht. Eigentlich wollte ich hier ein neues Leben anfangen, aber das erscheint mir nicht richtig. Ich bin zu müde dafür, zu träge. Um Neues zu beginnen, muss man Altes komplett hinter sich lassen.

In der Nacht komme ich wieder. Nun ist es der Mond, der mit Glitzer um sich wirft. Die Luft fühlt sich erfrischend an. Abenteuerlustig. Warm genug, um in den neuen Tag zu starten.

Doch das passt nicht zu mir. Ich gehöre nicht in diese wache Welt.

Ich bin erschöpft. Müde, träge. Ja, vielleicht auch dunkel.

Glitzern kann ich schon lange nicht mehr. Der Mensch, bei dem ich strahlen und funkeln konnte, ist weg. Für immer.

Und während ich immer tiefer in die Kälte hinabgleite und das träge Wasser alle meine Körperteile zärtlich umspült, blicke ich ein letztes Mal nach oben.

Das Wasser funkelt. Sobald das Licht an der Oberfläche bricht, verteilt es sich im Meer und passt sich den sanften Wellen an. Es begleitet mich bis ganz hinab, bis zum Schluss.

Vielleicht strahle ich doch noch ein kleines bisschen.

Man hat mir nur nicht gesagt, dass man beides sein kann, funkelnd und doch dunkelschwarz.

© Carmen Aschbacher 2021-02-21

Zahlt sich das Leben aus?#alleine

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