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#weisheit#ĂŒberraschung#herzlichkeit

Alice Djerassi, Carl Schwarzer

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Alice Djerassi, Carl Schwarzer | story.one

Durch meine Arbeit als Journalistin komme ich ganz nah an Menschen heran. Wenn sich der Text auch noch abseits von TagesaktualitÀt ohne Zeitdruck entwickeln lÀsst, dann ist das genau Meins.

Gute Vorbereitung ist dabei die halbe Miete und Recherche quasi mein zweiter Vorname. Daten, Zahlen, Fakten. Aber dann im Moment der Begegnung doch auch ganz viel Intuition. Wie weit darf ich gehen, ohne die virtuelle rote Linie zu ĂŒberschreiten und am Ende gar einen GesprĂ€chsabbruch zu provozieren? Gerade bei Prominenten ist es schwer, Fragen zu stellen, auf die sie nicht wohlprĂ€parierte vorbereitete Antworten haben.

Mein all time Favorit war da Bill Clinton, den ich anlĂ€sslich eines Auftritts im Tiroler Ischgl(!) begleiten durfte. Aber auch BerĂŒhmtheiten wie Alice Schwarzer oder Carl Djerassi, „Mutter der Pille“, zu begegnen, noch dazu an ein und demselben Wochenende, zĂ€hlt zu meinen journalistischen Highlights.

Wacher Geist, weißer Bart und ein Leben, gleich einer wechselvollen Trilogie. Vom jĂŒdischen Emigranten, zu einem der bedeutendsten Chemiker weltweit, zum gefeierten Schriftsteller: Carl Djerassi erfindet im Alter von 28 Jahren „die Pille“. Mit 82 erlebt er die österreichische UrauffĂŒhrung seines BĂŒhnenstĂŒcks „Ego“. An einem sonnigen SpĂ€therbsttag treffe ich den Herrn Professor in seiner Hotelsuite an der KĂ€rntnerstraße. Nach einer kurzen BegrĂŒĂŸung kommt er gleich in Fahrt und meint, es wollten doch eh alle immer nur dasselbe wissen. Das GesprĂ€ch verlĂ€uft professionell wenngleich unterkĂŒhlt. Emotional wird es erst, als ich ihn auf die Kritik fĂŒhrender Feministinnen an der Pille anspreche, liege doch die Verantwortung zur VerhĂŒtung damit erst recht wieder allein in FrauenhĂ€nden.

Da trifft es sich gut, gleich am nĂ€chsten Tag mit Alice Schwarzer zu sprechen. Sie hat einen differenzierten Blick, meint gar, man mĂŒsse Djerassi fĂŒr seine Verdienste ein Denkmal setzen. FĂŒr sie sei die Pille ein Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation. Die Begegnung mit Frau Schwarzer findet unter kuriosen UmstĂ€nden statt. Im Anschluss an eine Lesung aus ihrem Buch „Liebe Alice! Liebe Barbara! Briefe an die beste Freundin“ im Theater an der Josefstadt. Nach Abschluss der Veranstaltung wird sie von zahllosen Verehrerinnen umringt und ich fĂŒrchtete schon um meine Chance auf ein persönliches GesprĂ€ch. Kurzerhand beordere ich ein Taxi zum BĂŒhnentĂŒrl und passe Frau Schwarzer dort ab. Die Kosten, die dabei am Taxometer auflaufen, investiere ich gern. Schwarzer meistert die ungewöhnliche Situation, im Auto ĂŒberraschend auf eine Medienvertreterin zu treffen, mit Grandezza. Im persönlichen GesprĂ€ch wird schnell klar, dass sie zwar gelassener geworden ist, weniger kĂ€mpferisch, aber dass sie sich ihr unabhĂ€ngiges Denken, ihre scharfe, sarkastische Sicht, ihre Wortgewandtheit durchaus bewahrt hat. Und ihren Witz. Am Ziel, dem Hotel Sacher, angekommen, zupft sie eine Rose aus dem Blumenbouquet und ĂŒberreicht sie mir.

© Caroline Kleibel 2020-06-09

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