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#altersweisheit#pioniergeist

Aus der Tiefe kommt die Kraft

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Aus der Tiefe kommt die Kraft | story.one

Er war Zoologe und Meeresforscher, Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Seine Unterwasseraufnahmen erschlossen die Wunder der Tiefe. Einer Tiefe, aus der Hans Hass sein Leben lang Kraft schöpfte.

Ihm persönlich zu begegnen war etwas Besonderes. Sehr beeindruckend. Gar nicht so leicht einzufĂ€deln. Hans und Lotte Hass lebten in ihren letzten Jahren sehr zurĂŒckgezogen. Dass es dennoch gelang den Meeresforscher daheim zu besuchen, war seiner Tochter Meta zu verdanken und einem gemeinsamen Freund. Die beiden öffneten mir die WohnzimmertĂŒr ins Leben im Hause Hass.

Geboren 1919 war Professor Hans Hass bei unserem ersten Treffen im Februar 2004 bereits 85 Jahre alt. Geistig hellwach, körperlich hingegen sehr schwach und gebrechlich. Wiewohl spĂ€ter Vormittag, musste ich eine Zeitlang warten, ehe er sich nach einer kurzen Bettruhe zu mir gesellte. Selten zuvor wurde mir die Diskrepanz zwischen Geist und Körper so schmerzlich bewusst. Mens sana in corpore aegro. Zusammengesunken und mit Polstern gestĂŒtzt leuchteten seine Augen in fast jugendlicher SpitzbĂŒbigkeit und Freude, als er mir von seinem bewegten Leben und seinen Abenteuern erzĂ€hlte: „Ich war stets getrieben von einer großen Neugierde und von Beharrlichkeit“, gab er freimĂŒtig zu. Die Filme „Abenteuer unter Wasser“ und „Unternehmen Xarifa“, 1959 mit einem Oscar ausgezeichnet, machten Hans Hass weltberĂŒhmt.

Das Tauchen, auf das er durch Zufall gekommen war, hat mehr als die HĂ€lfte seines Lebens geprĂ€gt. Dabei habe er erfahren, welch große Bedeutung die Tiefe hat. Unter Wasser zu sein, hieße – nicht zuletzt durch die Schwerelosigkeit –in ein völlig neues Universum einzutauchen, neue Impulse zu bekommen. Das Biotop eines Korallenriffs in all seiner faszinierenden Schönheit sei ein guter Anreiz, die Welt ĂŒber Wasser, das Gewimmel in den StĂ€dten und all das, was mit dem menschlichen Fortschritt zusammenhĂ€ngt, aus einer anderen Sicht zu betrachten.

Nicht alles zu glauben, war ein Ratschlag, den er mir mitgeben wollte. Es sei schon gut, meinte Hans Hass voll der Altersweisheit, wenn man nicht naiv immer nur „Ja“ sage.

Wie es denn in aktiven Zeiten um seine Angst stand, interessierte mich. Immerhin war der Tauchpionier in vielen Gebieten Erster. Das sei natĂŒrlich immer mit Angst verbunden gewesen, gesteht Hass, doch sei Angst in seinen Augen nichts Schlechtes. Er glaubte sogar, dass man ĂŒberhaupt nur mutig sein konnte, wenn man Angst hatte.

Abschließend steuert Lotte Hass, die unser GesprĂ€ch aufmerksam verfolgt hatte, noch eine kleine Anekdote bei. Auf einer Reise durch Polynesien zeigte sich ein StammeshĂ€uptling fasziniert von ihren rot lackierten FingernĂ€geln. Lotte Hass schenkte dem Chief ein FlĂ€schchen Lack und staunte nicht schlecht, als sie bei einem spĂ€teren Besuch auf der Insel sah, dass nicht etwa eine der zahlreichen Frauen des HĂ€uptlings lackierte NĂ€gel hatte, sondern der junge Mann, der dem Herrscher mit einem Palmenblatt Luft zufĂ€chelte.

© Caroline Kleibel 2020-07-06

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