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Grüße aus dem Elfenbeinturm

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Grüße aus dem Elfenbeinturm | story.one

Nach meiner unfreiwillig auferlegten Promotionsrede im Mai 1986 engagierte mich der damalige Rektor praktisch von der Bühne weg als Pressereferentin. Für eine Stelle, die es defacto gar nicht gab. Nie wäre jemand auf die Idee gekommen, dass Einrichtungen wie Universitäten sowas wie Öffentlichkeitsarbeit bräuchten. Es galt der Spruch vom Elfenbeinturm, aus dessen Innerem nur ja nichts nach draußen dringen durfte. Verständliche Sprache war verpönt. Ja man vertrat sogar die Ansichthielt, je verschwurbelter desto wissenschaftlich. Drittmittel waren nicht angedacht. Die Hochschulen Selbstzweck deren Inneres die Außenwelt nichts anging. Erst langsam keimte der Gedanke auf, dass die da draußen etwas von dem mitbekommen sollten, was da drinnen vor sich ging. Budgetknappheit tat das ihre dazu. Und genau hier sollte mein Job ohne Beschreibung ansetzen. Beim Verständlichmachen der Forschung, bei der Übersetzung aus dem Fachchinesischen.

Pionierarbeit ohne Präzedenzfälle. Wohl kannte man “Departments of Public Relations” aus dem angloamerikanischen Raum, aber das war doch bitte nichts für uns hier. Folglich gab es auch keine Planstelle für Öffentlichkeitsarbeit. Mein Dienstvertrag enthielt vielmehr die Klausel, dass ich alle Gelder zur Auszahlung meines Gehalts selbst beizubringen hatte. Also doch Sponsoring aus der Wirtschaft. Auf ein kleines Depot aufbauend, das nicht für die Butter aufs Brot reichte, musste ich versuchen, die Errungenschaften Salzburger Wissenschaftler (in überwiegender Zahl Männer) nach außen zu vermitteln und gleichzeitig auch die Gelder zur Entlohnung meines Tuns zu lukrieren. Was mir ganz gut gelang. Eine Bank konnte ich als Sponsor gewinnen und ein innovatives Maschinenbauunternehmen aus dem Tennengau. Dem Weitblick dieser Institutionen war es zu verdanken, dass ich bald mehr einnahm, als mir laut dem bescheidenen Vertragsbediensteten Schema ausbezahlt wurde. Das Restgeld versickerte in unbekannten Kanälen.

Für die bessere Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft organisierte ich Vorträge und Führungen, initiierte Forschungsprojekte und Dissertationen und lebte eine Weile lang ganz gut mit meiner Zwitterfunktion zwischen Unternehmerin und Universitätsbediensteter.

Ein paar Anekdoten aus dieser Zeit machen mich heute noch lachen. Zum Beispiel versuchte ich, ein öffentlichkeitstaugliches Archiv mit wichtigen Eckdaten sowie Fotos unserer Forscher auf die Beine zu stellen. „Sie bekommen ein Bild von mir, wenn ich auch eines von Ihnen bekomme“, erklärte mir ein honoriger Herr Professor. Andere wiederum wandten sich andauernd mit Texten über sich selbst in der dritten Person an mich, mit der Bitte um Veröffentlichung. Den Vogel schoss jener Universitätslehrer ab, der mich nach meiner zugegeben etwas holprigen Vorstellung, „Herr Professor, wir kennen uns noch nicht…“ unterbrach mit den Worten: „Ja, dann wollen wir es doch dabei belassen.“

© Caroline Kleibel 2021-02-22

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