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Hollywood calling

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Hollywood calling | story.one

Zu seinem 80er wollte ich meinen Vater mit aktuellen Bildern von mir erfreuen, da wir uns ob der Entfernung im echten Leben leider nur selten sehen. AuĂźerdem hatte ich schon lange Interesse an einem richtig professionellen Fotoshooting. Da kam der runde Geburtstag als Anlass gerade recht.

Ich meldete mich nach dem Prinzip Versuch und Irrtum an in einem x-beliebigen Studio und rückte zum vereinbarten Termin ein mit jeder Menge Outfits zum Wechseln. Gute drei Stunden stand ich vor der Kamera im Rampenlicht und es machte mir richtig Freude. Allein die Kosten erschreckten mich. Um den stattlichen Betrag zu reduzieren, schlug mir der Fotograf einen Deal vor. Er würde die Bilder an eine Agentur weitergeben, die immer auf der Suche nach neuen Gesichtern, insbesondere „Best Ager“ Models, war. Ich bezahlte dafür nur die Hälfte. Gesagt getan. Ich war günstig davongekommen und darüber hinaus felsenfest davon überzeugt, dass ich von besagter Agentur ohnehin nie etwas hören würde.

Weit gefehlt. Schon nach wenigen Tagen kam ein Anruf, ob ich als Statistin in einer Folge der Serie „Die Toten von Salzburg“ mitspielen möchte. Ebenso erfreut wie spontan sagte ich zu und fand mich bald darauf am Filmset im Krankenhaus Hallein wieder. Einerseits empfand ich den Dreh als lähmend langweilig. Die kurzen Szenen wurden immer und immer wieder eingespielt, bis es dem Herrn Regisseur endlich passte. Derselbe nannte mich beharrlich Waltraud. Nach der fünften Wiederholung begann ich, mich an meinen von oben verordneten Künstlerinnennamen zu gewöhnen, auch wenn ich mir selbst wohl einen anderen ausgesucht hätte. Andererseits waren die Schauspieler richtig nett und umgänglich. Ich plauderte mit Erwin Steinhauer und Florian Teichmeister. Es gab das obligate Cast Foto.

Als der Film ein Jahr später im Fernsehen gezeigt wurde, konnte ich mich nur schemenhaft einmal im Hintergrund erkennen. Dennoch war der Blick hinter die Kulissen für mich alles in allem ein Erlebnis gewesen, das ich nicht hätte missen mögen. Noch ein weiteres Mal wurde ich im Salzburgkrimi als Komparsin gecastet, für die Folge „Schwanengesang“. Auch spannend, obwohl man den Inhalt des Films ja erst später, bei der Ausstrahlung erfährt. Dann spielte ich noch mit in zwei Episoden von „Lena Lorenz. Hebamme der Herzen“ und schließlich im „Tal der Mörder“ mit Fritz Karl unter der Regie von Peter Keglevic.

Corona unterbrach jäh meine aufstrebende Schauspielkarriere. Hollywood hat sich nie gemeldet. Die wissen ja gar nicht, welches großartige Talent ihnen da entgangen ist…

© Caroline Kleibel 2021-03-05

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