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Putzmann in Frauenkleidern

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Putzmann in Frauenkleidern | story.one

Irgendwann hielt ich es fĂŒr angebracht, mich und meinen Haushalt zu entlasten und mich nach einer geeigneten Putzhilfe umzusehen. Ein Inserat zeitigte schnell Erfolg. Kaum gepostet, kam bereits die erste Bewerbung. Und was fĂŒr eine.

Sehr geehrte/r Inserent/in,

ich möchte mich gerne um die ausgeschriebene Stelle bewerben. Doch ACHTUNG - ich bin mĂ€nnlich - und habe meine beiden Leidenschaften zum Hobby gemacht: einerseits putze ich wirklich gerne, andererseits - jetzt bitte nicht lachen;-) - liebe ich die Travestie und kleide mich dabei als Frau. Bei Interesse lasse ich Ihnen ein Foto zukommen. Ich bin beruflich selbstĂ€ndig und lebe meine Leidenschaften bereits bei zwei Haushalten in sehr unkomplizierter Form. Ich suche KEINEN sexuellen Kontakt! Ich arbeite derzeit in einem großen Haushalt 1x pro Woche fĂŒr 5-8 Stunden, erledige dort klassische Putzarbeit. Im zweiten Haushalt bin ich ergĂ€nzend noch fĂŒr Garten und Autopflege verantwortlich. Ich bin diskret und stöbere nicht in Laden, die mich nichts angehen. Über eine positive Antwort wĂŒrde ich mich sehr freuen, fĂŒr ein VorstellungsgesprĂ€ch und/oder Probeputzen stehe ich gerne zur VerfĂŒgung. mfg Sigi

Okay
 Erstauntes Interesse meinerseits. NatĂŒrlich hatte ich meine Anzeige bewusst geschlechtsneutral formuliert, aber damit nun wirklich nicht gerechnet. Schon fĂŒr einen der nĂ€chsten Tage vereinbarten wir einen Termin in dem kleinen CafĂ© vis-a-vis. Ja, und um das Foto bat ich auch zwecks Erkennens. WĂ€r nicht nötig gewesen, denn Sigi putzt nicht nur in Frauenkleidern, sondern erschien dergestalt auch zum VorstellungsgesprĂ€ch. Eh schon 1,86m groß auf High Heels, im knappen Lederrock und mit WallemĂ€hne. Bei seinem Eintreten hielt die Welt den Atem an. Verlegen rĂŒhrte ich in meinem Espresso und wĂ€hrend ich noch ĂŒberlegte, ob ich mich zu erkennen geben sollte, hatte er sich schon schwungvoll an meinem Tisch platziert. Im CafĂ© war es mucksmĂ€uschenstill. Nicht nur die WĂ€nde hatten Ohren. Und in diesem Umfeld sollte ich ein AnstellungsgesprĂ€ch fĂŒhren, Sigi fragen, wie hoch der Stundenlohn war. Ich bat die mehr als aufmerksame Bedienung um Zettel und Bleistift, stellte meine Fragen schriftlich. Da sich die AtmosphĂ€re im Lokal noch immer nicht entspannt hatte, ĂŒbersiedelten wir in die Wohnung, wo ich ihn ungestört befragen (interviewen?) und zugleich auch mit seiner neuen ArbeitsstĂ€tte vertraut machen konnte.

Wir einigten uns auf ein Probeputzen. Nie zuvor war meine Wohnung so blitzblank gewesen wie am Tag vor dem vereinbarten ersten Einsatz meiner „nicht konventionellen Putzperle“. Doch noch bevor es dazu kam, kam die Absage. Er könne doch nicht fĂŒr mich arbeiten, da er das GefĂŒhl hatte, sowas wie journalistisches Interesse in mir geweckt zu haben. Ganz konnte ich das nicht abstreiten, wenngleich ich doch ein wenig enttĂ€uscht war. Jemand, der/die ohne Steighilfe die KĂŒchenkastln oben abwischen konnte, war am konventionellen Markt nicht so leicht zu finden.

© Caroline Kleibel 2019-04-12

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