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Sowas von peinlich

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Sowas von peinlich | story.one

Manchmal wünscht man sich, es würde sich ein Loch auftun und man könnte darin versinken. Vorab ein Klassiker. Die Herrentoilette. Ist doch wohl jeder Frau schon einmal passiert, dass sie sich in der Tür geirrt hat. Einmal. Aber nicht mehrmals. Nach dem Umbau einer bekannten Gaststätte und deren Wiedereröffnung vor kurzem steuerte ich wie radargetrieben dorthin, wo ich immer schon hingegangen war. Tür auf. Schock schwere Not. Da stand ich plötzlich einer Reihe pinkelnder Männer gegenüber, die mich im Spiegell ebenso erschrocken musterten. Für einen geordneten Rückzug war es zu spät, dafür war ich schon zu weit ins fremde Territorium vorgedrungen. Also widmete ich mich professionell den Blumenarrangements am Waschbeckenrand. Zupfte hier eine verwelkte Blüte und dort ein braunes Blatt ab. Tat so, als sei ich vom Personal und drehte nur einmal kurz meine prüfende Runde, um nach der Botanik zu sehen. Nach getaner Arbeit verließ ich den Raum wieder und wand mich dem gegenüber liegenden, dem Richtigen zu. Man hatte wohl beim Umbau die Seiten gewechselt.

Kindheitserinnerungen keimten auf. Grad hatte mich meine Tante noch am Ärmel erwischt, als ich – noch im Vorschulalter – einen türkisen WC-Stein durch einen Türspalt im Pissoir einer öffentlichen Toilette entdeckt hatte. Für mich sah der aus wie ein Edelstein. Den wollte ich haben.

Dann war da noch diese Abendeinladung bei Freunden. Einer der anderen Dinner Gäste wurde mir als Bodo irgendwas vorgestellt. Ich gab mich belesen und fragte nach seinem jüngsten Buch. Der Mann konnte sein freudiges Erstaunen kaum verbergen. Sein erstes und einziges Buch sei noch ganz neu und komme erst in ein paar Tagen auf den Markt. Er lobte meine Aufmerksamkeit und fühlte sich sichtlich geschmeichelt. Da konnte was nicht stimmen, dachte ich. Zog mich aufs stille Örtchen zurück und googelte. Bodo Hell, an den ich gedacht hatte, ist ein mehrfach ausgezeichneter österreichischer Schriftsteller und Poet, spielt in einer Liga mit Friederike Mayröcker oder Ernst Jandl. Uups! Gerade noch die Kurve gekriegt.

Die Frau meines früheren Chefs und Unidirektors war leidenschaftliche Bastlerin und beglückte uns gern mit allerlei Selbstgemachtem. Einmal, zu Weihnachten, bekam ich ein kleines rosarotes Wachsfigürchen. Ich bedankte mich überschwänglich für den Glücksbringer, das herzige Neujahrsschweinchen. Ein Kollege stieß mir in die Seite und raunte mir ins Ohr, das sei doch ein Christkindl für die Krippe. Betretenes Schweigen.

Und dann sind da noch die peinlichen Fehlleistungen anderer deren Zeugin ich wurde. Zum Fremdschämen. Der hohe Salzburger Politiker, der bei einer Betriebbesichtigung, auf der ich ihn journalistisch begleitete, im gepflegten Small Talk eine etwas rundliche Dame anteilnehmend fragte, wann es denn soweit sei. Oder der Freund, der einen Professor der Medizin anstrahlte : „Endlich lern ich einmal das Töchterchen kennen.“ Das ungleiche Paar war frisch verheiratet.

© Caroline Kleibel 2021-06-22

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