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#abenteuer#naturwunder#outback

Die Dinosaurier warten auf uns!

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Die Dinosaurier warten auf uns! | story.one

Die Sonne brennt erbarmungslos, die Fliegen schwirren um den Mund und der Staub kratzt in den Augen, doch durch die Adern pulsiert die reine Freude. Unser bunt zusammengewĂŒrfeltes TouristengrĂŒppchen, das mit Schaufel, Hammer, Meißel und Besen den Boden untersucht, erfĂŒllt sich einen langgehegten Wunsch: Dinosaurierknochen suchen!

Der beste Ort dazu ist das Outback-Nest Richmond, wo das Buddeln an mehreren Orten gegen bescheidenes Entgelt gestattet ist. Der sandig-steinige Boden ist eine riesige Schatztruhe, voll von Fossilien verschiedenster Art. Vor 110 Mio. Jahren war der Osten des heutigen Australiens zu grossen Teilen von einem Binnenmeer bedeckt. Versteinerte Meerestiere kommen deshalb am hĂ€ufigsten vor, entdeckt wurden aber auch Überreste von Dinosauriern, Vögeln und Landreptilien.

Dass selbst Laien oft fantastische Funde machen, veranschaulicht der <<Kronosaurus Korner>> im Richmond Museum mit mehr als 1150 Objekten. PrunkstĂŒcke sind das Skelett eines zehn Meter langen Reptils und ein sieben Meter langer delfinĂ€hnlicher Ichthyosaurus, den eine australische Familie beim Freizeitbuddeln fand.

Aber wo sollen wir graben? Die markierten <<Fossil Hunting Sites>> sehen aus wie große Geröllhalden. Am Fuß eines alten GrabungshĂŒgels? Oder ist die Ebene vielversprechender? Expeditionsleiter Gary lĂ€chelt: <<Die Fossilien sind ĂŒberall. Vielleicht steht ihr gerade auf einem Dinosaurier>>. Gut möglich, dass hier eine wilde Verfolgungsjagd kleiner und großer Saurier stattfand, wie jene, die wir ein paar Tage zuvor anhand von Original-FußabdrĂŒcken und lebensechten Nachbildungen in den Museen von Winton bestaunen konnten.

Wer’s auf die harte Weise angehen will, grĂ€bt mit der Schaufel Löcher in den Boden, wer weniger Kraft aufwenden möchte, trĂ€gt sorgsam eine Erdschicht nach der andern ab. Ausserdem lohnt es sich, die herumliegenden Gesteinsbrocken zu inspizieren. Jeder Klumpen kann ein Wunder enthalten.

Nach einer Stunde emsigen Grabens ist der Enthusiasmus nicht mehr groß. Der RĂŒcken schmerzt vom stĂ€ndigen BĂŒcken, die HĂ€nde sind voller Schrammen, die Nase hat einen Sonnenbrand. Jetzt braucht's dringend eine Verschnaufpause!

Und siehe da: Das ist die beste Entscheidung dieses Tages! Denn beim Hinsetzen graben sich meine Bergschuhe ins lockere Gestein und legen eine Steinplatte mit grĂŒn und blau leuchtenden Flecken frei. Das Vorderteil eines versteinerten Riesenkraken!

Welch grandioses GefĂŒhl, als erster Mensch diesen 100 Mio. Jahre alten Zeugen der Urzeit zu sehen! Wir vollfĂŒhren einen Freudentanz.

Doch was nun? Die Funde dĂŒrfen mitgenommen werden, sofern das Museum nicht Anspruch darauf erhebt. Ein 1,5 m langes, sehr fragiles Fossil zu bergen, ist jedoch schwierig, ganz zu schweigen von den Transportproblemen fĂŒr uns AuslĂ€nder.

Schweren Herzens begnĂŒgen wir uns mit ein paar Fotos und einem faustgrossen Konglomerat aus versteinerten WĂŒrmern und Schnecken.

© Christa Arnet 2021-05-04

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