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Alltag verkauft-11

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Alltag verkauft-11 | story.one

Wir werden uns voll auf das navigatorische Gefühl unseres jungen Griechen verlassen müssen, wenn wir auf gut Glück zu diesem Hafen segeln. Mit Grummeln im Bauch beschließen wir die Warnungen der Inselbewohner, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der junge Mann wünscht noch uns viel Glück und wir bedanken uns für seine liebenswürdige Hilfe.

Fünf Minuten später sind die Leinen eingeholt.

Ich denke mit Grauen an meinen ersten Sturm.

Am liebsten würde ich mich gleich hinter der Mauer in Mathraki verstecken, immerhin ist sie stattliche acht Meter hoch.

Wer wird schneller sein, der Schirokko oder Fan Chuan?

In vier bis fünf Stunden müssen wir noch vor der Dämmerung, im neuen kleinen Hafen sein. Mein Sturmtiefbarometer steigt sogar bis zu meiner Oberschlauen hoch. Doch ihr fällt auch nichts Besseres ein, als alle Nase lang ängstlich nach der Wetterfront nach hinten, zum Heck zu schauen.

Genau in die Richtung, aus der der Schirokko kommt.

Dieses Mal setzen wir wirklich alle Segel.

Dieses Mal wirklich Alle!

Das Großsegel, die Genua und den Steuerbord Motor lassen wir zusätzlich mitlaufen.

Der Wettlauf mit der Zeit beginnt!

Seit zwei Stunden heizen wir unserer Dicken Ente tüchtig ein. Hinter unserem Heckspiegel verfolgt uns eine dicke schwarze Wolkenwand von Horizont zu Horizont. Sie hängt so tief, dass sie wohl bald im Meer und im Horizont versinkt.

Mathraki hat die schwarz, blaue Wolkenwand bereits so gut wie verschlungen. Ach hätte doch der Steuerbordmotor mehr als 25 PS. Doch ich bin ja dankbar, dass ER wenigstens seinen Dienst noch tut. Im Zeitlupentempo nähern wir uns, dem sonnenbestrahlten Cliff. Doch für uns zeigt es sich aus der Entfernung und im Gegenlicht, nur als eine undurchdringliche schwarze, finstere Felswand.

Ein Fischereihafen ist nirgends in Sicht!

Meine Augen patrouillieren ständig zur Küste, stets auf der Lauer den kleinen Hafen zu finden. Sie sind stur auf das Cliff gerichtet, nicht loslassen durchhalten Christine, feuert mich meine Oberschlaue von Oben an!

„Hast du sie auch gesehen, Bernd?“

Für ein paar Sekunden flogen direkt aus der Steilwand ein paar Sonnenstrahlenglitzer über das Wasser.

Das muss die Einfahrt sein!

Und gleich danach taucht eine Motoryacht mit Höchstgeschwindigkeit auf, als käme sie direkt aus den schwarzen Felsen heraus,

macht einen großen Bogen nach steuerbord

und verschwindet als Punkt um das Cap von Korfu.

© Christine Trautwein 2021-02-23

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