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Arztbesuch und Gaumenfreuden am Hibiya-Park

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Arztbesuch und Gaumenfreuden am Hibiya-Park | story.one

Das erste gemeinsame Tagesprogramm mit meiner treuen “Kirschblüte” hatte mit Sightseeing nichts zu tun. Mein unruhiger Geist, mehrfach belastet durch den Trauerfall, das unangenehme Meditationserlebnis und das strapaziöse Reiseprogramm, bewegte mich zu einer Vorsichtsmaßnahme. Nun war ungefähr Halbzeit meines Aufenthaltes in Japan. Es war mir bange beim Gedanken, ob ich es in meinem aufgescheuchten Zustand wirklich bis zum Abflug Anfang November aushalte.

Eine Umbuchung auf einen vorzeitigen Flug war laut Reisebedingung bei Vorlage einer ärztlichen Bestätigung möglich. Das brachte mich auf die Idee, mir vorsorglich eine solche Bestätigung zu holen für den Fall, dass ich den Aufenthalt wirklich abbreche. Das würde mir das Gefühl geben, nicht unnötig ausharren müssen, falls es mir schlecht ginge.

Also machte ich Madoka klar, dass ich mir eine solche Arztbestätigung beschaffen wollte. Vermutlich fand sie das verwunderlich. Äußerlich war mir überhaupt nicht anzumerken, dass es mir nicht so gut ging.

Der Weg zum Seelenarzt war nicht weit. Seine Ordination befindet sich unweit vom Hibiya-Park im Stadtteil Chiyoda, also im selben Bezirk wie Tokyo Station. Im freundlichen Wartezimmer wurden die Patienten mit einer Bildershow auf einem riesigen Flachbildschirm beruhigt. Wundervolle Landschaftsaufnahmen, sanfte Musik. Ein Fragebogen war auszufüllen.

Es dauerte nicht lange, da wurden wir ins Zimmer des Herrn Doktor gebeten. Ein lieber Mensch mit einem freundlichen Gesicht, ziemlich gutes Englisch. Ich rückte gleich damit heraus, was ich wollte. Eine Bestätigung für meine Reiseversicherung, eine Quittung für meine Reisekrankenversicherung und ein pflanzliches Mittel, dass mich nicht betäubt, aber mir zuverlässig guten Schlaf beschert. Die Diagnose war gleich gefunden, Ich berichtete in zwei, drei Sätzen, was ich in Chiba erlebt hatte. Er rief empört aus: “Aber das ist ja Gehirnwäsche! Das traumatisiert! Sie haben gut daran getan, diesen Kurs zu verlassen!"

Medikament? Ja, da habe er etwas für mich. Er selbst habe Pillen entwickelt, die als Heilmittel Safranextrakt enthalten. Damals kannte ich Safran nur von der Küche, wusste aber nicht, dass er auch ein wertvolles Naturheilmittel ist. Das hübsche Döschen mit der Aufschrift “na-na” habe ich heute noch.

Von meinem ersten und einzigen Arztbesuch in Japan war ich positiv beeindruckt. Honorar und Mittel waren deutlich günstiger als bei uns. Schlagartig fühlte ich mich unbeschreiblich erleichtert. Von da an war jeder trübe Gedanke, dass ich es nicht die gesamten fünf Wochen aushalten könnte, wie weggefegt.

Hurra, nun durften Madoka und ich wieder kulinarischen Freuden frönen. Im nahegelegenen Einkaufszentrum erwarteten uns Leckeres. Eine Udonsuppe ist für mich die beste Medizin. Wie unsere Hühnersuppe oder die vietnamesische Pho-Suppe. Dazu noch ein leckeres Gemüsegericht. Was braucht der Mensch noch mehr? Madoka und ich waren uns einig!

© Clarissa_Smiles 2021-03-11

Japan XPs

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