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Ins mondäne Ginza

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Ins mondäne Ginza | story.one

Mein Tag in Kamakura klang angenehm aus. Vom buddhistischen Tempel Kotoko-in schlenderte ich gemütlich dahin und wählte eine andere Route. Der Touristenrummel verebbte allmählich. Es war Sonntag. Viele Leute promenierten entspannt plaudern und festlich gekleidet durch die Straßen. Unterwegs genoss ich ein köstliches Matcha-Eis. Ich trabte eine elegante Allee entlang und gelangte zur Yuigahama-Bahnstation. Mit der Enoshima Electric Railway Line ließ ich mich zurück in den Stadtteil Hase bringen.

Es zog mich zum Meer. Schon setzte die Dämmerung ein, aber um die Stimmung zu genießen, war es den Weg wert. Ich konnte noch zwei letzte abendliche Surfer beobachten und mich zusammen etlichen jungen Japanern am rosagoldenen Abschiedsgruß der Sonne erfreuen.

Auf gut Glück wagte ich mich in ein winziges, aber stilvolles original japanisches Restaurant. Wann ist ein Lokal traditionell Japanisch? Wenn erwartet wird, dass man im Eingangsbereich die Schuhe auszieht und dann einen erhöhten Boden betritt.

Die Wirtsleute waren beide weit über sechzig. Der Mann kochte, die Frau servierte. Wohltuend gepflegte Ruhe nach dem Sightseeing-Trubel. Wie anderen Einzelgästen saß ich am Tresen und schaute beim Kochen zu. Ich bestellte mir eine französische Zwiebelsuppe und ein Muschelgericht. Beides schmeckte göttlich. Auch das Glas Weißwein. Der Koch hatte Frankreich-Erfahrung und bot daher auch französische Gerichte an.

Neben mir saß eine Japanerin, die wohl noch nie einer Europäerin so nahe begegnet war. Heute wundere ich mich, dass mein Japanisch überhaupt reichte, um mich ein wenig mit ihr auszutauschen. Sie strahlte mich an und schenkte mir eine Süßigkeit. Als ich mich artig dafür bedankte, leuchtete ihr Gesicht noch mehr.

Die Nacht verbrachte ich erstmals auf dieser Reise in einem Stockbett. Zum Glück gibt es Vorhänge an jedem Bett und Steckdosen am Kopfende, wo man sein Handy aufladen kann. Wissend, dass mich anderntags in Tokio ein Hotelzimmer erwartet, verbrachte ich die Nacht in diesem 12-Betten-Raum wohlig und mit mir und der Welt zufrieden.

Der größte Teil der Fahrt nach Tokio war ein Durchqueren eines endlosen Häusermeers. Im Großraum Tokio wohnen mehr als 38 Millionen Menschen. Während der Zug dahinglitt, rekapitulierte ich die Route zum Unizo Hotel im Stadtteil Ginza. Als ich aber am Tokioter Hauptbahnhof (Tokyo Station) ausstieg, fühlte ich mich verloren. Ich strandete bei einer Orientierungstafel und studierte sie in der Hoffnung, den richtigen Ausgang nicht nur auf der Karte, sondern auch in Wirklichkeit zu finden.

Zwei junge Japanerinnen, als Guides erkennbar, wie sie in großen Stationen den Passagieren wie rettende Engel zur Verfügung stehen, steuerten auf mich zu. Sie erklärten mir in gutem Englisch, wie ich zu meinem Hotel komme. Eine drückte mir einen Plan in die Hand, auf dem der korrekte Ausgang und meine Straße eingekreist waren. Gerettet. Wenige Minuten später war ich im Stadtteil Ginza.

© Clarissa_Smiles 2021-02-24

Japan XPsReif für die Insel

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