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#fernreise#shopping#reiseabenteuer

Japan pur, dank kleiner Panne!

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Japan pur, dank kleiner Panne! | story.one

Ein Rucksack diente mir als nützlicher Begleiter während der Tagesausflüge. Doch o weh, war es Materialermüdung? Einer der beiden Tragegurte riss im Osaka Castle Park und degradierte meinen stummen Helfer zur Handtasche. Ersatz musste her! In relativer Nähe ortete ich ein Einkaufszentrum namens Morinomiya Q's Mall Base. Irgendwie fand ich hin.

Nach langem Gustieren erstand ich eine genial unterteilte weinrote Tasche mit Tragegurten. Beratung und Bezahlung spielten sich ein wenig umständlich und mit dieser unglaublichen japanischen Höflichkeit ab. Nach verschämtem Umpacken des Rucksackinhaltes hatte ich mir eine Pause verdient. Ein gepflegtes Café lockte. Ich durfte mich in eine Warteliste eintragen und in eine Gruppe wartenderJapanerinnen einreihen.

Nach einer Viertelstunde kam eine Kellnerin und wies mir einen Sitzplatz zu. Göttlich schmeckten sowohl der Tee als auch die zuckerhutförmige fruchtig-sahnige Süßspeise. Als meine Kellnerin bei mir vorbeihuschte, brachte ich mit einer Geste mein Lob zum Ausdruck. Sie strahlte übers ganze Gesicht und antwortete mir auf - Portugiesisch! Europa! Áustria! Bem-vinda! Ja, sie habe in Brasilien gearbeitet und hoffe, nächstes Jahr wieder hinreisen zu können. Überrumpelt konterte ich mit einem Mix aus Spanisch und Portugiesisch.

Einigermaßen gelang es mir, ihr verständlich zu machen, dass ich gerne Stammgast des Lokals wäre, allein schon ihretwegen, doch Osaka sei nur Ausgangspunkt meiner langen Reise. Nach diesem herzlichen Erlebnis verließ ich das Lokal und wurde mit einem musikalischen Open Air überrascht. Das halbe Dutzend Teenager-Mädchen, das hier Schlager trällerte, seien geschätzte Nachwuchstalente aus der Region, so erklärte mir eine junge Frau stolz.

In einem dieser 100 Yen-Shops, die mir Madoka empfohlen hatte, kaufte ich mir noch Kosmetika. Dann war es Zeit für die Rückfahrt ins Hotel. Ein Stück des Weges gesellte ich mich zu einem neuseeländischen Pärchen, das dem Stadtzentrum zustrebte. Die nächste Etappe war mir schon ein wenig vertraut. Dennoch ging es wieder nicht ganz ohne Umwege und kurzes Verirren. Knappe zehn Tageskilometer zu Fuß bei stürmischem Wetter. Von einem Taifunausbruch jedoch zum Glück keine Spur. Er tobte nur in der südlicheren Provinz Okinawa.

Trotzdem verleidete er mir meine Stimmung. In der Sturmwarnung im Hotel wurde empfohlen, vorsorglich die Badewanne mit Wasser gefüllt zu halten. Den kaputten Rucksack zu entsorgen, brachte ich nicht übers Herz, da er ein liebes Geschenk eines Freundes war. Mit größter Mühe passte er noch in mein knappes Gepäck. Mein Zimmer empfand ich immer unbehaglicher und entschloss mich, mir bei meinem nächsten Stopp im nahen Kyoto ein besseres Quartier zu gönnen.

Ein fröhliches Stündchen mit Biergenuss mit US-Japanern, die auf Heimatbesuch waren und mir den Barbesitzer als ihren engen Verwandten vorstellten, erhellte meine Stimmung. “Kyoto, meine Lieblingsstadt!” mailte Madoka.

© Clarissa_Smiles 2021-01-28

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