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#natur#erinnerungen#tokio

Koishikawa Korakuen Garten

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Koishikawa Korakuen Garten | story.one

Nach einer seligen Nacht in Vorfreude auf das baldige Wiedersehen mit meiner Madoka hatte ich im Hotel die Wahl zwischen einem internationalen und einem japanischen Fr├╝hst├╝cksraum. Nat├╝rlich war ich die einzige Europ├Ąerin, die sich in das japanische Ambiente wagte. Aber ich war mittlerweile ja auch keine Standardtouristin mehr, sondern f├╝hlte mich mittlerweile schon eher als Einwohnerin. Ich wurde zu einem Tischchen gef├╝hrt und bedient. Eine Bestellung war nicht n├Âtig. Es wurde ├Ąhnlich einer Bento-Box ein komplettes Men├╝ aufgetragen mit allerfeinsten H├Ąppchen und einer k├Âstliche Misosuppe. Alles war zum Hinknien sch├Ân angerichtet und schmeckte k├Âstlich.

Die Trauer im Herzen siegte zeitweise ├╝ber die Lebensfreude. Der letzte Atemzug meiner Mutter im Krankenhaus in Villach, die bittere Heimfahrt ins leere Elternhaus ohne Zuspruch, die Bilder tauchten wieder auf. Ich wollte sie nicht verscheuchen. So oder so musste ich das Erlebte verarbeiten, um es in Frieden hinter mir lassen zu k├Ânnen. Nun boten sich einige ruhige Stunden daf├╝r an.

Der benachbarte ber├╝hmte Garten Koishikawa Korakuen w├╝rde Balsam f├╝r mich sein, entschied ich und marschierte los. Doch erst mal den Eingang finden! Hei, ein Gr├╝ppchen Japaner, alle mit gleichen H├╝tchen, strebte einem Tor zu. Ich hatte mein Ziel erreicht, zahlte die 300 Yen Eintritt und war nun zum Genuss der gro├čen Anlage berechtigt.

Mitte Oktober h├Ątte ich mir schon ansatzweise Herbstf├Ąrbung erwartet. Der Himmel blieb wie an den Vortagen eher milchig-grau. Es dominierte Gr├╝n in allen Schattierungen, es ist ein Park der B├Ąume mit einem gro├čen Teiche in der Mitte und vielf├Ąltigen Steinarrangements. Bl├╝tenpracht spielte w├Ąhrend meines Besuchs eine untergeordnete Rolle. Mitte Juni bl├╝ht dort die japanische Iris in vielen Farben. Fr├╝hling, Fischreiher, Enten, Fische und anderes Getier tummelte sich, als w├Ąre man irgendwo auf dem Lande.

Der Garten ist einer der ├Ąltesten Japans. Er wurde im 17. Jahrhundert (Edo-Zeit) errichtet und ist nach einem Gedicht benannt. Dieses besagt, dass Herrscher sich erst vergn├╝gen sollen, wenn ihre Untertanen gl├╝cklich sind. Wenn man das auf unsere heutige Politik umm├╝nzen w├╝rde!

Der Karte folgend, packte mich der Ehrgeiz, m├Âglichst alle Winkel des ehrw├╝rdigen Parks zu erkunden. Ein Maler hatte sich eine steinerne Br├╝cke als zentrales Motiv gew├Ąhlt. Zu meinem Erstaunen entdeckte ich ein Reisfeld inmitten der Anlage. Es wurde gerade bearbeitet. Eine Tafel erkl├Ąrte, dass dieses Feld den St├Ądtern vermitteln soll, wie Reisanbau und -ernte erfolgen. Ein Teehaus am Eingang, allerlei vertr├Ąumte Winkel, die Wege stellenweise von Wurzeln durchzogen wie bei uns in den Bergen. Auf einem steileren St├╝ckchen huschte eine gro├če Schar Kindergartenkinder mit ihren kindlich-fr├Âhlich gekleideten Begleiterinnen vorbei.

Gegen 20 Uhr erwartete ich Madoka, die aus einem kleinen Ort in der Pr├Ąfektur Gifu mit dem Zug anreiste, in meinem Hotelzimmer.

┬ę Clarissa_Smiles 2021-03-09

Japan XPs

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