skip to main content

#freundschaft#wiedersehen#japanxp

Legendär: Bahnhof Tokio und die Hauptpost

  • 66
Legendär: Bahnhof Tokio und die Hauptpost | story.one

Nachdem ich Madoka zu ihrem Hotel gebracht hatte, trat ich gegen neun Uhr abends die Rückfahrt an. Frauen allein in Bahnhöfen, Zügen und in der U-Bahn? Kein Problem. Nie habe ich mich auf Reisen so sicher gefühlt wie in Japan. Am nächsten Morgen musste ich in ein anderes Hotel übersiedeln. Es war nur für zwei Nächte ein Zimmer verfügbar gewesen.

Ich spürte, dass etwas in mir noch in Aufruhr war. Daher war mir nach wie vor nach einem geräumigen Zimmer in einem angenehmen Hotel zumute. Die Wahl fiel auf ein Hotel der Kette Mystays in Omori im südlich gelegenen Bezirk Shinagawa, ca. zwanzig Minuten Bahnfahrt vom Bahnhof Tokio entfernt. Das Zimmer ließ mein Herz höher schlagen. Ein Kingsize-Bett und ein solider Touch von japanischem Wohnstil!

Eigentlich hätte wir gemeinsam übernachten können, denn das Zimmer hätte auch für zwei Personen gereicht. Doch es war auf beiden Seiten noch eine gewisse Scheu spürbar. Unausgesprochen waren wir damit einverstanden, dass wir uns in der ersten Phase des Vertrautwerdens nachts unsere Privatsphäre beibehalten konnte.

Die Übersiedlung hatte zur Folge, dass ich mich mit Madoka erst gegen Mittag verabreden konnte. Als sicheren Treffpunkt hatten wir das Foyer im Hauptpostamt im JP-Tower, unmittelbar neben dem Bahnhof Tokio, vereinbart. Wir schmunzelten darüber, denn ein Postamt, das hatte Symbolkraft für uns. Jahrzehntelang schrieben wir einander Luftpostbriefe und Postkarten, schickten zwei- bis dreimal pro Jahr Päckchen mit kleinen Geschenken auf eine weite Reise, und erst in den letzten Jahren waren wir auf Mails umgestiegen. Mitunter posteten wir einander Handyfotos. Und Geschenke, einmal begonnen, das lässt sich nie mehr stoppen, das scheint ein ehernes Gesetz für Japaner zu sein.

Pünktlich zur Stelle sein, war für mich ganz schön fordernd, allein schon wegen der Distanz. Nur ja nicht verirren! Doch inzwischen war ich schon ein wenig mit dem Bahnhof und den angrenzenden Gebäuden vertraut. Doch von Madoka keine Spur. Nach einer halben Stunde wurde ich leicht nervös. Nach einigen weiteren Minuten tauchte meine Kirschblüte auf, wie ich sie manchmal scherzhaft nannte. Sie wirkte sichtlich verlegen und entschuldigte sich, weil sie sich leider verirrt hatte.

“Hauptsache, du bist da und alles ist OK!” rief ich und umarmte sie. Wir stellten einvernehmlich fest, dass es fein wäre, sich irgendwo niederzulassen. Zeit für ein Mittagessen war es obendrein.

Tokyo Station ist eine eigene City mit einer Kunstgalerie, einer Shoppingmeile und einer Vielzahl von Lokalen und noch weit mehr zu entdecken. Wir landeten aufs Geratewohl in einem einfachen, aber guten japanischen Lokal. Meine Freundin freute sich, dass ich japanisches Essen liebe, problemlos mit Stäbchen umgehen kann, und mit der buddhistischen Danksagung “Itadakimasu” fürs Essen danken gelernt hatte. Wir hatten uns auf abwechselndes Zahlen geeinigt. Das war sehr praktisch und klappt gut. Wir zwei. Unglaublich.

© Clarissa_Smiles 2021-03-11

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.