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#entscheidung#stress#osaka

Taifunwarnung für Osaka

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Taifunwarnung für Osaka | story.one

Am 7. September 2018 starb meine Mutter nach kurzem schweren Leiden. Im Mai hatte ich meine Reise nach Japan gebucht, um nach vier Jahrzehnten Brieffreundschaft meine Freundin Madoka erstmals nach über vierzig Jahren wieder umarmen zu können.

Die Entscheidung fiel mir schwer, ob ich den Flug am 28. September stornieren sollte. Vielleicht würde es mir sogar helfen, einige Wochen der Trauer im fernen Japan zu verbringen. Da mein jüngster Sohn seine Weltreise abbrechen musste, fand das Begräbnis erst am 15. September statt. Infolge meines Gemütszustandes, verknüpft mit den Abwicklungen, für die ich alleine die Verantwortung trug, käme den restlichen Reisevorbereitungen wenig Aufmerksamkeit zu. Ich fragte mich, ob ich allein unterwegs klarkomme.

Wie üblich bei schweren Entscheidungen, fragte ich mein Herz. Und das sagte laut und deutlich “Ja! Auch wenn es hart wird. Es ist der letzte Abdruck!”

Es wurde hart. Dies nicht nur wegen des Mammutprogramms, das ich mir vorgenommen hatte. Ein erster Vorgeschmack ereilte mich am Wiener Flughafen, als ich beim China Airlines-Schalter eincheckte. Mein lächerlich kleines Gepäck landete am Laufband. Die freundliche Assistentin fragte mich, welchen Sitzplatz ich bevorzuge.

Mir schoss nur ein Gedanke durch den Kopf: “Möge es ein möglichst ruhiger, ungestörter Platz sein, ganz egal wo!” Ich hörte mich nur etwas murmeln von “Gangplatz, bitte!” Aber da rannen mir schon Sturzbäche aus den Augen und es schüttelte mich. “Nur das nicht!” rief meine innere Kontrolle sofort. Zum Glück hatte ich eine Parte dabei, wies sie vor und entschuldigte mich schluchzend.

Die Dame vom Bodenpersonal telefonierte kurz und gab mir dann das Bordticket mit der Bemerkung: “Ich konnte dafür sorgen, dass Sie bis Taipeh einen ungestörten Flug haben!” Den hatte ich in der Tat. Sie hatte veranlasst, dass die beiden Plätze neben mir unbesetzt blieben. Erfüllt von tiefster Dankbarkeit ließ ich mich im Flieger nieder, verbrauchte Dutzende Taschentücher und schluchzte mich leise aus, bis alle Tränen geweint waren.

Die paar Doller im Portemonnaie erwiesen sich bei der Zwischenlandung als hilfreich. Kaffee und Kuchen bei einem Coffeeshop am Flughafen weckten einige Lebensgeister, die nur darauf gewartet hatten. Ich wusste, ich brauchte nun alle Kräfte für meine improvisierte Reise. Wenige Stunden später landete ich in Osaka, dem Anfangspunkt meiner geplanten Reise mit dem Endziel Tokio, im Süden von Hokkaido.

Was mich allerdings beunruhigte, war die Taifunwarnung für die nächsten Tage, die für weite Teile Japans galt. Osaka, bereits kurz davor von einem schweren Taifun heimgesucht, sollte erneut stark betroffen sein.

In Ruhe erledigte ich die Einreiseformalitäten und holte das für mich hinterlegte kleine schwarze Kästchen ab, das mir unterwegs eine Internetverbindung ermöglichen sollte. Nach ca. 40 Minuten Bahnfahrt befand ich mich im Zentrum von Osaka.

© Clarissa_Smiles 2021-01-24

Japan XPs

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