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Teatro Spettacolo, ein Sommermärchen

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Teatro Spettacolo, ein Sommermärchen | story.one

Ehe sie der Wind verweht… Erinnerungen an den Sommer 1982.

Bäng-Bäng - so wurde Rolf Bengert von Willy Michl und den Musikerkollegen der Band Latin Blues Power genannt. Und Bengert, “abgebrochener” Altphilologiestudent und Lebenskünstler aus München, machte diesem Namen alle Ehre, als er im Sommer 1982 mit lautem “Bäng” in das Salzburger Kulturleben platzte und mit seinem Teatro Spettacolo Leben in den Volksgarten brachte.

So was Ähnliches machen wie Marianne Sägebrecht, Wirtin der Künstlerkneipe Muttibräu und späterer Schauspiel-Star ("Out of Rosenheim") mit der Opera Curiosa in München, das wollte Bengert auch, und zwar in Salzburg. Das hatte es in der Festspielstadt noch nie gegeben. Im Volksgarten fand er die notwendige Voraussetzung: eine öffentliche Toilettenanlage und einen Stromanschluss, eine risikofreudige lokale Werbeagentur, die sich auf das Abenteuer mit ungewissem Ausgang einließ, und mich als Pressebetreuerin. Zeigt mir einen Clown und schon bin ich dabei!

Das Teatro Spettacolo bot eine Vielfalt an Bestaunenswertem: Zirkuskunst und Clownerie, Schattenspiel und Pantomime, Chansons und Jazz, Anarcho-Rock und Pop, große Namen wie Charlie Rivel und Margot Werner und Newcomer wie Eisi Gulp und Stefanie Werger. Bengert war von seiner Idee felsenfest überzeugt, aber das fahrende Volk wurde in Salzburg nicht mit offenen Armen empfangen. Die Anrainer witterten Lärmbelästigung, die Szene der Jugend Konkurrenz und Kommerz.

Bengert war wohl zu unerschrocken ans Werk gegangen. “Angst kann nicht träumen. Mut - ich lade Euch ein, mutig zu sein", hatte er als Parole ausgegeben. Um dann feststellen zu müssen, dass das Festival - entgegen seiner vollmundigen Prognosen - ohne Subventionen finanziell doch nicht zu stemmen war.

Politischer Rückenwind kam nur von Vizebürgermeister Waldemar Steiner. Gerhard Steiner, Bengerts engster Mitarbeiter, erinnerte sich, in heiterer Runde für seinen Namensvetter einen Werbespruch kreiert zu haben: “Meiner, deiner, unser Steiner”. Ein Slogan, der kurz darauf auf allen Plakatwänden zu lesen war. Geld dafür gab's aber auch nicht. Die Bilanz des Teatro Spettacolo: Unvergessliche Abende und große künstlerische Erfolge, begeisterte, aber unterm Strich zu wenig Zuschauer, an dem auch der Salzburger Schnürlregen schuld war. Die Folge: kaputte Freundschaften, ein Berg an Schulden und der Titel “Konkurskasperl”, den sich Bengert gefallen lassen musste.

Märchen nehmen meist ein gutes Ende. Dieses leider nicht. Rolf I., der Unbeirrbare, der ausgezogen war, um mit dem Teatro Spettacolo das große Glück zu finden, lebt nicht mehr. Die Spuren zu Gerhard Steiner, seinem getreuen Knappen, verlaufen sich im Sand. Das bunte Gefolge hat sich in alle vier Winde zerstreut.

Die Zeit schadlos überdauert hat nur der Jugendstil-Zirkuswagen, der zum Salonwagen umgebaut worden war. Das letzte sichtbare Relikt des Teatro Spettacolo steht als Gartenhäusl in Seekirchen.

© Claudia Karner 2022-04-14

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