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Endlich eine Princess

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Endlich eine Princess | story.one

Vor einem Jahr habe ich mir selbst eine Freude gemacht und eine Prinzessin geschenkt. Genauer gesagt eine Princess 300. Das ist eine Schreibmaschine aus den 50-iger Jahren. Sie ist die erste mit einer Tabulatortaste und ein richtig schickes Teil.

Ich mag das GerĂ€usch, welches die Tasten beim Anschlagen produzieren. Das ist wie Musik fĂŒr mich. Ich habe lange nach der Prinzessin Ausschau gehalten und eines Tages bin ich auf willhaben fĂŒndig geworden. Ihr Besitzer, ein Ă€lterer Herr aus KĂ€rnten, hat sie zum Verkauf angeboten. Ich nehme Kontakt mit ihm auf und erzĂ€hle ihm voller Leidenschaft ĂŒber meine Liebe zum Schreibmaschine schreiben und ĂŒber dieses besondere Modell. Er ist so glĂŒcklich, dass ich mich so von Herzen dafĂŒr interessiere, dass er mir die Versandkosten schenkt. Als sie endlich ankommt, bin ich richtig nervös beim Auspacken. Sie ist in Originalverpackung, mit der schönsten Bedienungsanleitung, die ich je gelesen habe.

Hier spricht die PRINCESS 300:

Sehr verehrte Besitzerin,

sehr verehrter Besitzer!

Sie haben mich erwĂ€hlt und ich bin bereit, Ihnen treu zu dienen. Ich bin einfach zu behandeln und trotzdem möchte ich Sie bitten, die wenigen Seiten ĂŒber mich zu lesen, selbst wenn Ihnen als geĂŒbten Schreibern, das meiste als selbstverstĂ€ndlich erscheint: Aber je besser sie mich kennen, um so mehr Freude wird Ihnen das Schreiben mit mir machen. Und was die Pflege betrifft- nun, ich bin nicht zimperlich, aber die paar Winke werden Sie sicher schon aus Liebe zu mir gern befolgen. Ich danke es Ihnen durch treue Dienstbereitschaft und langes Leben.

IHRE PRINCESS 300

Ich stelle sie auf meinen Atelierstisch und spanne ein Blatt Papier ein. Dieses GerĂ€usch beim Einlegen vom Papier ist so genial. Ich tippe die ersten Worte, lege schnell los, so wie beim Computerschreiben und schwupp stoppt mich meine Prinzessin, da die Buchstaben hĂ€ngen bleiben, wenn ich zu schnell schreibe. Das ist das Schöne, du musst! runter vom Gas und entschleunigen. Ein neuer Versuch, achtsam und langsam. Jetzt klappt es. Den ersten Brief schreibe ich an meinen KĂ€rntner ExPrinzessinenbesitzer als Dankeschön. Er antwortet mir, dass er sich sehr darĂŒber gefreut hat und froh ist, sie in so guten HĂ€nden zu wissen.

Danach folgen ein paar Briefe an liebe Menschen. Ich werde immer besser im Langsamschreiben. Da mich das GerĂ€usch des Schreibens so fasziniert beschließe ich es aufzunehmen. Vom Anfang bis zum Ende. Da gibt es das GerĂ€usch der Walze, die das Papier in Position bringt, der Anschlag der Tasten, das BLING am Ende einer Zeile, die RĂŒckwĂ€rtstaste macht einen eigenen Ton und zum Schluss das Entfernen des vollgeschriebenen Blattes. Alles in allem ergibt es eine fĂŒr mich wunderschöne Melodie. Ich versende die geschriebenen Briefe mit der Post und als Draufgabe bekommen die EmpfĂ€nger eine Audiodatei von mir, wo ihr Brief auch akustisch festgehalten ist. Sie haben sich alle darĂŒber gefreut. Am meisten aber ich und meine Princess 300 :-).

© daskartenmaedchen 2020-06-09

Meine SchreibzeitVINTAGE

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