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Unfall mit Schicksal

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Unfall mit Schicksal | story.one

Bei einem meiner Schwedenprojekte, wo ich mit Jugendlichen in der Wildnis unterwegs war, kam es einmal zu einem blutigen Ereignis.

M. und K. zwei Burschen, beide 14 , können sich nicht ausstehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie sich in die Haare bekommen. Eines Tages ist es dann soweit. Wir haben an einem wilden Naturplatz unser Lager aufgebaut. Es ist eine abgelegne Stelle am Ufer des Flusses. Ein einziges Haus war in einiger Entfernung zu sehen.

K. und M. beginnen zu streiten und K. lĂ€uft M. mit dem Buschmesser nach. Beide sind irgendwie zu Sturz gekommen und das Messer hat einen tiefen Schnitt in M.s Unterarm gezogen. Ich habe schnell reagiert und die Erste Hilfe Tonne geholt. Der Schnitt ist bis zu diesen klebrigen FettblĂ€schen unter der Haut vorgedrungen. Eine Woche vor dem Projekt habe ich einen Outdoor Erste Hilfe Kurs besucht und habe genau gewusst, was zu tun ist. Das war mein GlĂŒck. Ich habe einen professionellen Druckverband hinbekommen. WĂ€hrenddessen ist zufĂ€llig (?) ein Krankenwagen zu dem einzigen Haus gefahren. Ich bin dann hinĂŒber gelaufen und habe den Arzt gebeten nach M. zu schauen. Dieser hat uns erklĂ€rt, dass wir ins 80 km entfernte Krankenhaus mĂŒssen, um die Wunde zu nĂ€hen. M. fĂ€hrt mit dem Arztauto mit, ich nehme den VW-Bus und fahre hinterher. Mein Kollege bleibt bei den anderen Jugendlichen.

M. ist plötzlich sehr ruhig im Krankenhaus, da er Angst hat. Es kommt ein Arzt, ein Spanier, der nur Spanisch und Schwedisch spricht und eine schwedische Krankenschwester, die auch Spanisch und Englisch kann. Jetzt ist es lustig geworden. Der Doktor hat erklĂ€rt was er macht, die Schwester hat von Spanisch auf Englisch ĂŒbersetzt und ich habe M. dann auf Deutsch erklĂ€rt, was mit ihm passiert. Der Doktor lobt mich fĂŒr den perfekten Druckverband. Gottseidank habe ich diesen Kurs gemacht. GlĂŒck im UnglĂŒck.

M. hat 12 FĂ€den bekommen und diese sollen in 10 Tagen wieder raus. Wir sind dann wieder 80 km zurĂŒckgefahren. Es ist bereits dĂ€mmrig und wie aus dem Nichts marschiert eine Elchkuh gemĂŒtlich ĂŒber die Straße. Ich stelle den Motor ab und wir können dieses mĂ€chtige Tier beobachten. Voll genial, wie ich finde, so eine megaschöne Belohnung fĂŒr diesen anstrengenden Tag.

Nach 10 Tagen habe ich M. erklÀrt, dass wir jetzt nicht in ein Krankenhaus fahren, sondern ich ihm die FÀden ziehe. Er schaut mich an und sagt : "Sicher net." Sicher schon. Ich habe auf meinem Schweizermesser eine tolle Schere, die halte ich ins Feuer, um sie zu desinfizieren und dann schneide ich den ersten Faden durch. M. zittert und aus dem vorlauten Frechdachs wird ein stilles Entlein. Die FÀden gehen leicht raus und alles ist gut.

Ich finde es echt spannend, wie sich alle Einzelteile dieser Situation zu einem Ganzen geformt haben. Wie schon öfter in meinem Leben, ist mir das Schicksal oder sowas in der Art, im richtigen Moment zu Hilfe gekommen.

M. hat eine sichtlich bleibende Erinnerung am Arm. Ich habe eine große Portion Vertrauen ins Leben mit nach Hause genommen.

© daskartenmaedchen 2020-04-20

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