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#baby#tod#krankheit

Zwischen Leben und Tod

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Zwischen Leben und Tod | story.one

Am 11. Dezember 1970 habe ich das Licht der Welt erblickt. Es war der Tag, an dem meine Eltern mich geschenkt bekamen und mein Vater am Nachmittag den Bescheid erhalten hat, dass er unser Haus bauen darf. Ein GlĂŒckstag sozusagen. Ich war pumperlgesund, war 53 cm lang und wog 3,55 kg.

Als ich 3 Wochen alt war bekam ich starken Husten. Meine Mutter ging mit mir zum Arzt und dieser stellte starke Bronchitis fest. Ein paar Stunden spĂ€ter schaute er nochmal vorbei, da ihm mein Zustand keine Ruhe ließ. Da ich so stark hustete und nicht aufhörte, ĂŒberwies er mich ins Kinderspital nach Linz.

Dort stellten sie Keuchhusten fest. Ich kam auf eine Isolierstation und mir wurden SchlÀuche angehÀngt, die den Schleim aus meinem kleinen Babykörper absaugten. Meine Eltern durften nicht mehr zu mir, mich nur durch eine Glaswand aus der Distanz anschauen. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass das ziemlich lange dauern sollte.

Mein Zustand war ĂŒber viele Wochen kritisch, ich hatte den ganzen Tag starke HustenanfĂ€lle, die meinen kleinen Körper sehr beanspruchten. Meine Eltern durften 2 mal pro Woche kommen, standen hilflos hinter der glĂ€sernen Trennwand. Der Oberarzt riet ihnen zu einer Nottaufe, da mein Leben an einem seidenen Faden hing. So wurde mir im Krankenhaus der Name Inge gegeben. Meine Mama erzĂ€hlte mir, dass es schnell gehen musste, zwischen zwei HustenanfĂ€llen. Es waren nur der Pfarrer, meine Eltern und meine Taufpatin dabei. Es war einer der traurigsten Tage im Leben meiner Eltern. Sie mussten nach der Taufe die Station wieder verlassen.

Eines Tages lĂ€utete das Telefon. Meine Mutter zuckte jedes Mal zusammen, wenn es klingelte. Der Arzt war am Telefon. Er teilte meinen Eltern mit, dass ich in der Nacht 24 starke HustenanfĂ€lle hatte und er denkt, dass ich jetzt ĂŒbern Berg war. "Dieses MĂ€dchen hat so ein starkes Herz, sonst hĂ€tte sie diese Nacht nicht ĂŒberlebt", waren seine Worte. Dem war auch so, danach ging es langsam bergauf.

Ich war ab jetzt das Stationsbaby sozusagen und bekam einen eigenen Stubenwagen. Die Schwestern kĂŒmmerten sich rĂŒhrend um mich. Ich stand oft im Schwesternzimmer und hatte somit Gesellschaft. Eine Schwester mochte mich besonders gerne. Sie trug mich jede freie Minute herum und gab mir körperliche NĂ€he. Mit drei Monaten wurde ich schließlich entlassen. FĂŒr meine Eltern war das einer der schönsten Tage in ihrem Leben. Sie erzĂ€hlten mir oft, dass es schrecklich war, mir nicht nahe sein zu können. Jedes LĂ€uten des Telefons war mit Angst verbunden, Angst, dass ich nicht mehr lebte.

Ich kann mich Gottseidank nicht mehr an meinen Todeskampf erinnern, aber anscheinend wollte ich unbedingt ĂŒberleben und darĂŒber bin ich bis heute sehr froh :-) !

© daskartenmaedchen 2020-05-31

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