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Der Wadi ist voll...

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Der Wadi ist voll... | story.one

Mai in Südtunesien - es gibt immer wieder Gewitter, auch mal stärkeren Regen - meist ist dies das letzte Mal vor dem trockenen Sommer. Aber was passiert, wenn es in der Wüste 2 Tage lang regnet?

Ich hab unser Gepäck am Vorabend in meinen blauen Renault Kangoo geladen, sodass wir schon gegen 5h morgens von unserem Haus auf Djerba losfahren können in Richtung Norden, nach Nabeul, zu den Großeltern meiner beiden Kinder Yasmin, 5 Jahre und Omar, 3 Jahre. Meine Kinder sitzen brav in den Kindersitzen, ich hab eine ganze Tasche voll mit Spielsachen - Büchern, Stiften, Spielzeugautos - Unterhaltungsprogramm für die ca 8 Stunden dauernde Fahrt.

Der Himmel ist dunkelgrau über der Insel, es hatte am Vortag bereits geregnet und es sieht wieder nach Regen aus. Wir nehmen die kleine Fähre von Ajim nach Djorf, um aufs Festland zu kommen. Endlos lange, gerade Straßen führen von Djorf aus Richtung Norden und gen Süden Richtung Libysche Grenze. Es ist eine trostlose Gegend, kaum Vegetation, ab und zu sieht man Kamelherden in der Ferne, ein winziges steinernes Häuschen mitten im Nirgendwo.

Es beginnt zu tröpfeln, zu regnen, zu schütten… Wir haben Spaß im Auto, singen und beschäftigen uns mit"ich packe meinen Koffer und nehme… mit". Es schüttet nun schon seit 2 Stunden. Es gibt weder Navi, noch Wetter-online, noch Verkehrsfunk und so steuere ich zielsicher auf eine Straßensperre zu. Ich habe einige Wadi's (Flussläufe) zu durchfahren – am Land sind Brücken eine Ausnahme, daher fährt man auf einem asphaltierten Teil einfach durch den Flussauf durch.

Neben den Straßen gibt es immer mehr Wasser, das nicht mehr abfliessen kann und irgendwann stehen wir und kommen nicht mehr weiter. Ich erfahre, dass das nächste Wadi, durch das wir fahren müssten, eineinhalb Meter unter Wasser steht und nicht durchfahrbar ist. Wir stehen zweispurig in Richtung Norden - 6 Stunden vom Ziel entfernt. Wir stehen und warten und warten... Meine Kinder steigen aus den Sitzen und machen es sich auch im Kofferraum bequem, spielen, lachen und finden die Situation ganz witzig.

Irgendwann kommt die Frage nach einem Klo, naja keine Chance – jedes meiner Kinder bekommt eine Windel angezogen, die ich für nächtliche Notfälle noch mithabe. Aber ganz ehrlich – mir passt die nicht mehr! Meine Blase ist auch voll und ich kann unmöglich raus aus dem Auto, ein reißender Bach ist neben mir und lässt mich nicht einmal aussteigen. Hilfe! Was tun? Flasche? Sackerl? Ein paar km weiter gibt es ein Café mit einer ekelhaften Toilette, die immer schönere Formen annimmt, je länger ich darüber nachdenke.

Der Regen lässt nach 4 Stunden endlich nach und ein Ende des Wartens scheint in Sicht.

Omar und Yasmin sind immer noch fröhlich aber ich weiß gar nicht mehr wie ich sitzen soll - da geht es weiter und ich fahre mit äußerster Vorsicht durch den noch immer wasserführenden Wadi. Abenteuer pur! Kommt das Wasser bei den Türen rein? Stirbt der Motor ab, weil das Wasser zu hoch steht?

Es ist mir egal. Toilette in Sicht!

© die_sage_der_gudrun 2019-12-11

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