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#inspire80tageumdiewelt

Ekeliger Fisch in Gambia

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Ekeliger Fisch in Gambia | story.one

Mein erstes Mal Afrika, 1993. Ich arbeite in einem oberösterreichischen Reisebüro in der Gruppen- und Incentiveabteilung und darf, wohl weil sich niemand vorher dafür gemeldet hat, einen “Agent-Trip” nach Gambia machen. Ein Reiseveranstalter und eine Fluglinie laden Reisebüromitarbeiter, ein 3 Tage lang diese Destination kennenzulernen. Ich freu mich sehr - Gambia kenne ich bis dato nur vom Namen her.

Eine Gruppe von ungefähr 15 Personen fliegt gemeinsam über Amsterdam in Richtung Banjul. Ein Maschinenschaden zwingt uns beim Flug nach Banjul in Casablanca zwischenzulanden. Das ist keine wirklich gute Promotion für die Fluglinie. Nach einer sehr langen Anreise kommen wir endlich in Gambia an. Der Flughafen ist klein, überschaubar. Wir fahren durch sehr verarmt aussehende Blechhütten-Siedlungen zu unserem Hotel. Ein kleines einstöckiges Gebäude. Es riecht nach Mottenkugeln, oder ist es Insektizid gegen die Kakerlaken?

Ich bin aufgeregt, neugierig, will raus und was sehen. Nach kurzer Pause geht's los. Wir machen eine Stadtrundfahrt. Ausser bunt bemalten, aber doch etwas abgefuckten Gebäuden, die offensichtlich noch aus der Kolonialzeit stammen, gibt es nicht wirklich viel zu sehen. Was mich am meisten beeindruckt sind die Farben, sowohl der Kleider, als auch der Häuser. Die Erde ist ganz rotbraun, offensichtlich sehr eisenhaltig. Wir fahren raus aus der Stadt und ich sehe zum ersten Mal Baobab-Bäume. Die sehen einfach schräg aus. Irgendwie unproportional. Ein dicker, hoher Stamm und eine ziemlich mickrig wirkende Baumkrone, aber wirklich imposant!

Wir fahren nach Brikama zum Handwerksmarkt. Schnitzer stellen Holzfiguren her, gebatikte Tücher, Shirts und kurze Hosen – und auch Socken – sind erwerblich. Ich schlag zu: ein Rainbow-Set: Short, T-Shirt und Socken – bis heute habe ich sie - 28 Jahre später!

Mein stolzester Besitz ist aber bis heute noch ein gebatiktes Bild einer Frau, die ihr Baby in einem Tragetuch auf ihrem Rücken trägt in den Farben blau, schwarz, grau und weiß. Das Bild hängt im Zimmer meiner Tochter, die eine blonde Halb-Tunesierin ist und viel lieber dunkelhäutig gewesen wäre.

Am nächsten Tag geht’s an den Strand. Ich erwarte mir damals einen Sandstrand, vielleicht ein paar Liegen, ein paar Boote…

Was sehen wir? … was riechen wir? Eine weitere Gambische Tradition: kleine Fische, die auf Holzbalken am Strand in der Sonne zum Trocknen liegen. Ich werde diesen Geruch niemals vergessen. Auch nicht die tausenden Fliegen, die auf den Fischen sitzen und wenn man vorbeigeht, summend hochfliegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich gegessen wird.

Nach 3 Tagen geht es, leider ohne einem Besuch in den Tanbi Wetlands, einem Mangroven-Nationalpark im Gambia-Delta oder einer Mini-Safari zurück nach Österreich.

Ich war in Gambia, aber ich konnte das Land nach dieser Reise nicht für Touristen bewerben. Eindeutige Themenverfehlung des “Agent-Trips”. Schade!

© die_sage_der_gudrun 2021-03-19

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