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#fremdewelten#mutprobe

3. Die Mutprobe

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3. Die Mutprobe | story.one

Michelles Tagebuch.

Michelle liegt auf ihrer mit bunten Polstern ausgelegten Couch im Wohnzimmer. Sie hat sich mit einer olivgrünen Decke zugedeckt und liest in ihrem Tagebuch. Plötzlich erstarrt sie. Apathisch blickt sie auf die weiße Decke.

"Eine Welt wie diese? WO bin ich da? WER bin ich da? Wer sind diese MENSCHEN?

Sie sind fremd für mich. Sie sind anders.

Wo bin ich hier gelandet? Ich kann sie nicht verstehen. Sie sprechen eine Sprache. Anders. Ich verstehe so vieles nicht.

Ich beobachte. Ich höre zu und möchte verstehen. Ich versuche mich mitzuteilen. Ich rede in meiner Sprache. Ich drücke mich so aus, wie ich bin.

Ich rufe mal: “Hallo?“

Sie sehen mich an. Ich werde korrigiert, belächelt und angespuckt.

Verwirrung. Was habe ich gesagt? Was habe ich getan?

Sie verstehen mich nicht. Ich verstehe sie nicht. Sie können mich nicht erkennen. Sie können mich nicht sehen, wer ich wirklich bin.

Sie sehen nur das, was sie sehen wollen.

Ich spüre Neid, ich erlebe Missgunst. Ich erfahre Unloyalität. Macht man das hier so? Soll ich auch so tun?

Ich versuche mutig zu sein! Ich kann das schaffen!

Ich versuche es mal….

Oh,… ja... plötzlich werde ich gesehen.

Jetzt bin ich so wie sie. Wie schön!

Ich blinzle. Ich blicke von der Decke zum Fenster. Ich fühle mich nicht wohl. Ich bin kraftlos. Was ist los mit mir? Ich spüre. Ich erkenne. Es tut mir nicht gut. Mich anzupassen."

_________

Michelle schnappt sich einen der Polster und wirft ihn zornig in Richtung Fenster.

Sie dreht sich um und vergräbt ihr Gesicht tief in ihre Decke.

© dieKunstderPerspektive 2020-10-20

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