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An Friederike Mayröcker

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An Friederike Mayröcker | story.one

Friederike Mayröcker ist gestorben, sage ich. Kenne ich nicht, sagt sie. Und die Verwunderung, dass man Friederike Mayröcker nicht kennen könnte, noch immer. Friederike Mayröcker nicht zu kennen, ist für mich so, wie Abschiede nicht zu kennen. Und immer muss ich mich verabschieden. Und es wird enger. Und ich habe Angst davor, wenn er einmal nicht mehr sein wird.

Könnte ich wie Friederike Mayröcker schreiben, so ganz, völlig, so schreiben, wie sie sagt schreiend schreiben, würde ich schreien, würde mein Denken anders denken lassen. Das Schreiben würde das Druck(grafiken) ablösen, vielleicht auch die Angst, ich würde mich nicht mehr drücken, vor mir selbst. Der Künstler, sagt sie, will nichts als die Kunst, was sonst? Und mache immer zu wenig. So habe ich wenigstens das Gefühl, einfach immer zu wenig. Oder gar nichts. Dieser permanente Glaube zu wenig zu tun, zu sein, in diese Welt, der Kunst. Ich mag ihr Schreiben. Immer unterbrochen, geht es weiter. Von einem Gedanken zum nächsten, von einem Abschied zum Nächsten, so menschlich und echt und gar nicht Kunst, sondern einfach Leben. So möchte ich sein, so lebendig. Ob wohl auch jemals jemand vor einem ganz kleinen Bild von mir, darüber nachdenken wird, von wem dieses ganz kleine Bild nochmals war?

Photo: Collages zu "Requiem fuer Ernst Jandl"-Ausstellung Steyr 2016

© Doris Neidl 2021-06-11

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