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#tagebucheintrag

Tagebucheintrag: Der Abend kam

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Tagebucheintrag: Der Abend kam | story.one

Und dann kam der Abend und ich fing an zu schreiben. Schreiben um mich abzulenken von der Sinnlosigkeit des Daseins, das mich dann später in voller Härte anging. Es ist ein wutentbrannter Modus, wutentbrannt über mich selbst, der mich zu dieser Tätigkeit verleitet. In Worte Gedanken fassen. Ist das überhaupt sinnvoll möglich? Wie kann ich die Ambivalenz die in mir tobt kanalisieren und zu Papier bringen? Was genau löst diese Zerrissenheit aus? Wo finde ich Trost? Ich probiere es einmal mit schreiben. Zuvor nachdenken, dann schreiben. Ich erfinde Geschichten. Ich bin genötigt, Narrative über dem Dasein in der Welt zu konstruieren, um es nur irgendwie fassbar zu machen. Um dem Dasein irgendwie Sinn zu geben. Ja, nur ich kann es sein, der Sinn erschafft, um die Augen wieder aufzurichten und in die Horizontale zu blicken. Ein fröhliches Ja sagen, ohne ein Nein zu kennen. So was soll das Ganze jetzt. Ich schwimme doch nur in einem verdammten Ressentiment dahin. In Passivität, die reaktiven Kräfte in mir haben die Oberhand gewonnen. Aber ich bin bereit. Möge der Kampf beginnen. Ich will kämpfen, um dieses augenblickliche Ressentiment zu besiegen und abzuschieben. Es geht darum Aktivität zu zeigen, etwas zu tun, zu schaffen. Neues Entstehen lassen, ein schreiben wie bei Phönix aus der Asche. Eine creatio ex nihilo, aus dem Nichts heraus schöpferisch werden. Ja darum geht es. Und während ich hier diese Zeilen zu Papier bringe, meldet sich auch eine Blickrichtungsänderung meines Selbst an. Es wird besser, mir geht es allmählich wieder besser. Aber Vorsicht es ist noch nicht vorbei. Das im Kampf gedemütigte Ressentiment zieht sich zurück in seine Festung. Es bleibt präsent und hält sich bereit, rüstet vielleicht wieder auf um in einem Überraschungsangriff wieder zuzuschlagen. Aber vorerst scheint das Aktive in mir gewonnen zu haben. Ich blicke wieder zuversichtlicher den nächsten Momenten entgegen. Draußen ist es bereits Nacht geworden. Ich fasse neuen Mut, um altes hinter mir zu lassen, um zu vergessen und um mich der Zukunft an den Hals zu schmeißen. Ein gelungener Abend. ---Eintrag Ende---

© EgonEtairos 2021-04-08

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