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#eslebedersport

Schnell, schneller, am schnellsten

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Schnell, schneller, am schnellsten | story.one

Es schüttet wie aus Eimern, vor mir liegt eine endlos scheinende Straße, Autos mit blinkenden Lichtern und eifrig arbeitenden Scheibenwischern ziehen an mir vorüber.

Ich kämpfe mich weiter durch den strömenden Regen, dicke Tropfen platschen mir auf den Kopf, erschweren mir die Sicht, bremsen meine Geschwindigkeit.

“Distanz: 7 Kilometer, Dauer: 53 Minuten, 19 Sekunden, durchschnittliche Pace: 7 Minuten, 32 Sekunden per Kilometer”, verkündet die monotone Frauenstimme meiner Laufapp, Wasser rinnt in Strömen über mein Gesicht, ich kann nicht mehr unterscheiden, ob es Schweiß ist oder Regen, vermutlich eine Mischung aus beidem.

Eine Frau mit knallgelbem Regenschirm kommt mir entgegen, sie lächelt und begrüßt mich mit einem freundlichen “Hallo”, doch mehr als ein Nicken bekomme ich nicht zustande, nicht nach einer knappen Stunde laufen, auspowern.

Die Wassermassen, die weiterhin unbarmherzig zu Boden fallen und mir jeden Schritt erschweren, peitschen gegen mein Gesicht, ich merke, wie mein Atem immer schneller und stoßweise geht und meine Beine langsam erlahmen, auch Seitenstechen bahnen sich an.

Aber ich will nicht aufgeben, WERDE nicht aufgeben, ich habe mir vorgenommen, zehn zu laufen und das werde ich auch schaffen.

Ich beiße die Zähne zusammen und laufe weiter, beschleunige meinen Schritt sogar noch und spüre, wie wieder Adrenalin durch meinen Körper schießt.

Drei ermüdende Kilometer später betrete ich wieder das Haus, meine Brillengläser beschlagen und die Wärme und Trockenheit nimmt mir kurzzeitig den Atem.

Doch ich habe es geschafft, habe nicht aufgegeben, habe mein Ding durchgezogen und das gibt mir dieses unglaubliche Glücksgefühl, von dem ich gar nicht genug kriegen kann.

Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich mit dem Laufen weitergemacht habe. Begonnen habe ich am 9. Januar, als mein Fußballtrainer in die Gruppe schrieb, um fit zu bleiben sollten wir mal joggen probieren. Und ja, warum ich weitergemacht und mich, kilometermäßig gesehen, an der Spitze meines Jungsteams befinde, ja, das war wohl das wunderbare Gefühl danach, das Gefühl, dass du etwas geleistet hast, wieder schneller warst als beim letzten Mal.

Laufen ist etwas Wunderbares, es fegt alle schlechten Gedanken aus meinem Kopf und ich fühle mich so frei wie selten zuvor. Und doch gibt es eine Sache, die noch wunderbarer ist, als das Joggen selbst - das ist die Dusche danach.

Und die werde ich mir jetzt gönnen.

© Emma Holl 2021-02-26

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