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#transgender#morethanfriends

Luca

  • 10

Ich bin wie Robocop oder Darth Vader. Ein Cyborg. Es gibt Teile an mir, die sind nicht ich. Und ich muss zur Therapie, damit diese irgendwann gegen richtige Teile ausgetauscht werden. Ich werde irgendwann komplett sein. DafĂŒr nehme ich PupertĂ€tsblocker und gehe zur Therapie. Dabei muss ich viel ĂŒber meine GefĂŒhle reden. DarĂŒber, woher ich weiß, dass ich nicht komplett bin, dass ich im falschen Körper rede. Und das nervt, denn fĂŒr mich war das schon immer so, nur muss ich es den Erwachsenen immer und immer wieder erklĂ€ren. Zuerst meinen Eltern. Das war die Hölle. Wir haben uns Die Rache der Sith angeschaut und dann habe ich gesagt, dass ich mich wie Vader fĂŒhle. Nach dem Kampf mit Obi Wan. Inkomplett. UnvollstĂ€ndig. Dass ich ein Junge bin. Zuerst hat Mama gelacht und Papa hat nur mit dem Kopf geschĂŒttelt. Ich solle nicht so viele Jungsfilme mehr schauen. Das wĂŒrde mich verwirren. Bullshit. Ich habe angefangen, die Klamotten von meinem Ă€lteren Bruder Jonas zu tragen. Ich habe mit Skisocken meine Unterhose ausgefĂŒllt, weil es sich sonst so leer angefĂŒhlt hat. Ich hatte keine Ahnung, was Transgender bedeutet oder GeschlechtsidentitĂ€t. Dann kam Simon in die Klasse. Er war neu und nervig und hatte keine Freunde. Als wir fĂŒr einen Vortrag zusammenarbeiten sollten, hat er mich zu sich eingeladen. Wir gingen auf sein Zimmer und ich glaube, ich habe aufgehört zu atmen. Er hatte den großen Lego Todesstern. Und einen ganzen Schrank voller Lego Star Wars. Wir haben gespielt, bis ich Darth Vader gesehen habe. Auf dem OP-Tisch. Vor der OP. Mit verbranntem Gesicht und ohne Arme und Beine. Dann habe ich Simon gefragt, ob er mir die Haare abschneidet. Normalerweise sind die unter meiner MĂŒtze, aber ich wollte sie abhaben. Dann holte Simon seine Bastelschere und hat meine Haare geschnitten. Ich wollte die Frisur von Luke aus Eine neue Hoffnung. Als mich meine Mama abgeholt hat, hat sie geschrien. Sie hat Simon und mich ausgeschimpft, obwohl Haare ja wieder nachwachsen. Danach waren wir beste Freunde, obwohl wir beide keine anderen Freunde hatten. Simon war seit dem Tag mein bester Freund und hat mich nie gefragt, warum ich die Klamotten von meinem Bruder anhabe oder so. Wir haben einfach ganz normale Sachen gemacht. Wie einen Star Wars Marathon oder ein Robocop-Abend. Oder wir fahren Inliner oder stromern im Wald und spielen Robin Hood. Nur schwimmen gehen mag ich nicht. Das musste ich Simon aber nicht erklĂ€ren. Er wusste irgendwie, dass ich ein Cyborg bin. Aber er hat mich nicht wie Darth Vader behandelt, er hatte keine Angst vor mir oder ist vor mir weggelaufen. Simon hat einfach mit den Schultern gezuckt und vorgeschlagen, mit dem Millenium Falcon eine Weltraumschlacht nachzuspielen. Ich wĂŒnschte, meine Eltern hĂ€tten auch so reagiert.

© ennycarter 2021-05-04

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