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#gerechtigkeit#gesellschaftskritik#männerliebe

Verbotene Liebe

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Verbotene Liebe | story.one

Vielleicht war es in Ordnung so zu sein wie er war oder auch nicht. Denn wer hätte schon die Entscheidungsgewalt über sein Selbst haben können und über die seines Geliebten? Beide aus unterschiedlichen Kulturen stammend, fanden sie sich in einem Strandurlaub. Ihre Blicke trafen sich, dann näherten sie sich, lächelten sich an, der Caipirinha floss nur so dahin, so wie sie selbst dahinflossen. „Es ist nicht erlaubt Jungs, dass ihr das macht, was ihr macht. Ehrlich, das ist unerhört und eine Schande über all die Religionen, Denkmuster und Glaubenssätze der Menschheit. Ungerechte Kriege führen – ja -, aber eure Liebe, ach du liebe Güte!“

Ja, vielleicht war es doch nicht in Ordnung wie sie waren, die beiden. Inzwischen hatten zwar einige Länder der Welt die gleichgeschlechtliche Ehe legitimiert, aber die absolute Legitimation der Gesellschaften, die würde wohl noch lange ausbleiben. Das hatte ich den beiden auch gesagt, aber nein sie wollten nicht auf mich hören. „Aber wir lieben uns so sehr“, schrie der eine, während der andere seinen Tränen keinen Halt gebieten konnte. Nun flüchteten Sie in ihre Einsamkeit und dem Nicht-Verstanden-Werden. Beide stammten aus sehr konservativen Familien, aus dem Abend- und Morgenland. Genauso wenig wie sich die Seiten für den Frieden zusammen getan hätten, hätten sie es auch nicht für die Liebe zweier Männer getan.

„Ich habe es euch versprochen darüber zu schreiben meine Lieben, aber sie werden mich dafür auch in diesem 21. Jahrhundert anfeinden“, sagte ich, eben weil ich kein Problem damit habe, das ihr euch liebt, aber wie soll man das den Menschen erklären. Die Liebe ist universell, sie ist tief und unseren Herzen sollten wir folgen, ja, so wie ihr es gemacht habt. Ihr verliebten Burschen. Doch aber warnte ich euch, richtig?

Einer der beiden wurde erwischt. Seine ältere Schwester kam ihm auf die Schliche, als sie ihm folgte. Ihren Augen konnte sie nicht trauen, als sie ihren jüngsten Bruder mit einem Mann Händchen halten sah. Was ihr Vater wohl mit ihm machen würde? In glühendheißem Wasser kochen und dem Rest der Familie zum Verspeisen vorlegen? Noch schlimmer sogar. Er könnte enterbt werden. Warum sprach er nie über dieses Problem mit ihr? Hier wäre die Liebe als Problem zu behandeln oder sogar als Krankheit!

Sie war die Ältere, die, die dem Vater nahestand. Sie erzählte es ihm unter vier Augen und keiner, noch nicht einmal die Mutter erfuhr von dieser Eskapade! „Einen Mann lieben? Will er uns etwa vor allen Angehörigen blamieren?“, ließ er seine innere Wut, lediglich unter vier Augen heraus.

Mein lieber Freund, ich hatte es dir gesagt. Und genauso kam es. Kurz und schmerzlos hat man dich nun verheiratet. Gefangen in einem männlichen Körper wirst du nun eine Frau nicht liebend, lieben müssen, weil es die Gesellschaft so will und deine große Liebe? Nun er wird tief trauernd da sitzen, in seinen Tränen, wird es niemandem erzählen können und du wirst ihm fehlen.

Dunkle Notizen – über das seltsame 21. JH

© Ercüment Mus 2021-04-04

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