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#selbermachen#zeichnen#kunst

Selber essen macht dick

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Selber essen macht dick | story.one

Dieses Kapitel handelt aber nicht vom Essen, obwohl ich extrem gerne davon rede und es noch lieber tue. Dieses Kapitel ist reine Animation gewĂĽrzt mit einer Prise Manipulation.

Vor langer, langer Zeit war ich in meiner allerersten Zeichenklasse. Das war noch geraume Zeit vor meinem Kunststudium. Für ein Jahr lang jeden Dienstagabend in der Volkshochschule Urania, um genau zu sein. Dort musste ich mir sehr verwundert folgenden Satz anhören: „Denkt nicht an das Endergebnis. Genießt einfach die zwei Stunden zeichnen. Darum geht es. Die Zeichnung, die dabei entsteht, ist – quasi – nur das Abfallprodukt dieser guten Zeit.“

Die Zeichnung sei nur das Abfallprodukt der Zeit, in der man gar nicht an sie gedacht hat?

Dieser Satz hat mir schon sehr oft geholfen, obwohl ich ihn damals so gar nicht verstanden hatte, bzw. ihn nicht verstehen wollte. Und ich möchte ihn nun hier weitergeben. Will nun selbst in weiteren Köpfen diesen Widerspruch generieren, eine Art von Empörung erzeugen, eine Zeichnung könne doch kein Abfallprodukt sein. Um aber, wenn man sich darauf einlässt, zu erfahren, dass es dann genau das Gegenteil bewirken wird. Umso freier jemand (künstlerisch) arbeitet, umso weniger man sich „bemüht“ alles richtig zu machen, desto freier und richtiger kann das Ergebnis werden. Gerade, wenn man nicht daran gedacht hatte.

Geht in Zeichenkurse. Malakademien. Chorsingen. Tanzkurse. Lernt ein Instrument. Töpfern. Bucht einen Kurs für Radierung oder Siebdruck. Macht ein Schreibseminar. Diese zwei Stunden in der Woche sind dann Urlaub für den Kopf. Sind wie Durchlüften von Räumen. Sind wie ein wöchentlicher Frühling im Winter des Alltages.

Und zwar nicht (unbedingt), um damit Ausstellungen zu machen oder auf einer Bühne zu stehen. Sondern einfach um sich davon vortrefflichst und nachhaltig bereichern zu lassen! Sich selbst mit so einer Tätigkeit zu bereichern. Es ist gleichzeitig aktiv und passiv – und das kann richtig süchtig machen!

„Ich kann nicht zeichnen/singen/tanzen!“ Ich höre diese Sätze förmlich und sie klingen trotzig und gleichzeitig sicher. Ob es jemand „kann“ oder nicht, darum geht es dabei gar nicht. Sondern, ob man eine Sehnsucht danach hat, andere vielleicht sogar um so eine Gabe beneidet. Weil dann darf man es einfach tun. Ohne es zu können. Weil es eben zu allererst um diese Zeit geht, die man dann mit so viel Freude und meist auch Vorfreude viel intensiver wahrnimmt als viele der anderen Stunden.

Wer einen Wunsch oder eine Sehnsucht hat, etwas zu können, der trägt schon einen Samen dafür in sich, ist meine These. Seid die GärtnerInnen Eurer Wünsche. Und vergesst das sich Messen mit anderen. Wer immer der oder die Beste sein will, hat es schwerer dieses Ziel auch in einem Kurs (mit mehreren Menschen) zu erreichen. Wer einfach nur seine eigenen Möglichkeiten zum Blühen bringen will, der hat es da viel einfacher.

Nehmt Euch dabei nicht ernst, sondern lasst die ZĂĽgel locker. Und reitet hinaus ins Feld der guten Zeit!

© Eva Hradil 2022-11-02

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