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#lernen#garten#jahreszeiten

Von den Wienern

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Von den Wienern | story.one

Okay: Am Papier bin ich selbst auch Wienerin. Die letzten Jahre (die vor C. – der weltweite Virus machte mich wieder zum Landei) verbrachte ich mehr in Wien als in Niederösterreich. Aber ich bin ja meine ersten zweieinhalb Jahrzehnte „am Land“ sozialisiert worden – aufGEWACHSEN. Hier sind die Menschen, die mich auch schon aus der Zeit kennen, wo ich noch ein Babybauch war, oder jedenfalls aus dem Kindergarten. Als Kind lernt man ja viel, ohne dass es einem jemand beibringen muss. Man lernt durch Zusehen. Bewusst und unbewusst. Und somit habe ich viele Dinge rund ums Haus und im Garten aus den Erfahrungen der anderen gelernt.

Und ich nehme die Unterschiede wahr, die es dann gibt, wenn Menschen, die nicht am Land aufgewachsen sind, aufs Land ziehen. Oder auf Besuch kommen. Und hier, in dem Landstrich sind es dann Wiener, die kommen. In anderen MĂĽnchner, Hamburger, ZĂĽrcher, usw.

Kann meine Beobachtung stimmen, dass z. B. Menschen aus der Stadt, wenn sie ein Haus am Land bewohnen, mehr die Einkaufsgärtner sind? Dass deren Gärten ein klein wenig so aussehen, wie das Freigelände eines Gartencenters, wo man viele Möbel und Dekos kaufen kann, die dann den Garten bevölkern? Sehr oft aus Kunststoff, weil kurzfristig gesehen wetterunempfindlicher. Langfristig gesehen altert Plastik grausig. Holz, Stein oder Metall altert meist in Schönheit oder jedenfalls in Würde. Wo selbst die Pflanzen als Deko gesehen werden: einkaufen, hinstellen, verblüht? Wegwerfen. Oder es gleich nur wenige Pflanzen gibt, sondern Rasen und Dinge?

Oder die Tagesgäste, die ihren Müll beim Auto hinauswerfen, obwohl das mittlerweile vielleicht auch die ortsansässige Jugend dazugelernt hat, blöderweise. Die, die Natur mehr konsumieren als erleben?

Bekomme ich Besuch von Menschen aus der Großstadt, sitzen wir im Garten, wie man das mit Besuch ja macht. Diese Momentaufnahme wirkt dann so, als täte man nichts anderes dort, als müsse man nichts anderes machen. Mein Garten ist ohnehin unordentlich wildromantisch verwachsen, aber selbst dieser Status quo bedarf einiges an Arbeit. In meinem Garten gibt es Pflanzen, von welchen man ernten kann. Obst und Blumen ernten. Die ich dann genieße, verarbeite und verschenke – als Rohmaterial oder in der bereits eingemachten oder verbackenen Form.

Mache ich das, weil ich am Land aufgewachsen bin und es somit durch Erleben gelernt habe? Oder ist das eine Sache der Persönlichkeit? Eine Mischung daraus?

Mein Eindruck ist irgendwie, dass die reinen Stadtmenschen Einkäufer und Konsumenten sind. Die den Garten inszenieren. Dekorieren. Arrangieren. Hingegen (für mich persönlich) ein richtig schöner Garten durch seine Pflanzen wirkt. Durch deren Zusammenspiel. Durch das Mitdenken der Jahreszeiten.

Einen Garten beseelt man in Jahrzehnten und denkt in größeren Zeiträumen. Vielleicht ist das der Unterschied, warum Stadtmenschen kurzdenkender sind? Oder bin ich selbst einfach schlichtweg nur voreingenommen?

© Eva Hradil 2021-05-18

GartengeflĂĽster

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