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#krieg#zwischenmenschliches

Juba-Blues

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Juba-Blues | story.one

Die Maschine der Sudan Airways setzt hart auf der von Schlaglöchern durchzogenen Piste auf. Nach einem knapp 2-stündigen Flug bin ich von Nairobi aus in Juba gelandet. Ich habe einen Auftrag des Entwicklungshilfe-Büros, für das ich arbeite. Wochen zuvor war einer unserer Mitarbeiter von Rebellen entführt worden. Zu welchem Zweck wurde nie bekannt. Er kam mehr oder weniger wohlbehalten mit 20 kg weniger auf den Rippen zurück. Die deutsche Regierung jedoch zog ihr Hilfsmandat in dieser Gegend zurück.

Der Südsudan leidet seit Jahrzehnten bis heute an den Folgen eines Bürgerkrieges, der nach 22 Jahren im Jahre 2005 mit einem Friedensabkommen ein Ende fand. Die Zusammenhänge kann man nachlesen. Flüchtlingsströme, Hungersnöte, Grausamkeiten unter der Bevölkerung, das waren die Szenen 1989 als ich dort einreiste. In diesem Jahr gründete John Garang die Führung der sudanesischen Befreiungsarmee, wollte die Unabhängigkeit vom Norden.

Nun gilt es logistische Unterstützung bei der Auflösung des „German Medical Teams“ zu geben. Meine Aufgabe ist es die Belege der Buchhaltung zu sammeln und zu ordnen, sowie Hilfe bei der Auflösung des Büros zu leisten.

Ich werde zu einem kleinen Hostal gebracht und von dort direkt ins Büro, das von lokaler Polizei mit Schnellfeuerwaffen umstellt ist. Der Projektleiter und die deutschen Ärzte der umliegenden Krankenstationen sind bereits versammelt. Ein Plan wird erstellt. Der Projektleiter Dr. R. zeigt mir meinen Arbeitsplatz. Berge von Belegen, teilweise auf Arabisch, oder auf Baumblätter gekritzelte Quittungen, fast alles ohne Datum. Ich besorge mir einen Karton, werfe alles hinein, werde ihn mit nach Nairobi zurücknehmen. Somit bin ich arbeitslos. Ein Mitarbeiter bietet mir an mit mir ein bisschen Sightseeing zu machen. Sehr gerne! Auf einem Gelände-Motorrad rattern wir über staubige Pisten nach Juba hinein. Ein schmutziger Ort am Westufer der Nils gelegen, der mit viel Fantasie noch den Glanz vergangener Zeiten ahnen lässt. „From Cairo to Capetown – it used to be paradise“ schwärmt der Grieche mit tränenfeuchtem Blick, als er uns den süßen Mokka serviert.

Weiter geht es ins Dorf der Dinkas. Mein Kollege schenkt ihnen ein Paket mit Medikamenten. Ich bekomme ein traditionelles Sande-Messer überreicht.

Nächste Station ein Projekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Hier sollte ein Nationalpark entstehen. Das deutsche Ehepaar heißt uns willkommen, sie leben in einem selbst gebauten Camp, die Cessna unbenutzt daneben. Die Zeiten sind gefährlich, es gibt keine finanzielle Unterstützung. Dennoch wollen sie bleiben. „Wir lieben es hier im Busch“, sagt sie und wir stoßen mit einem Gin&Tonic an.

Abends sitzen wir alle im Büro und genießen die Köstlichkeiten aus dem Kühlraum des Projektleiters. Das ist jetzt unser tägliches Abendprogramm bis zu unserem Abflug.

Traurig verlassen die Mitarbeiter ihr Projekt. Wer hilft den Menschen jetzt? Was wird aus all den Kranken?

© Evelyn Weyhe 2020-12-16

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