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#surfen#stadttour#wassersport

Am Fluss - Standwelle

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Am Fluss - Standwelle | story.one

„Zeigt mir was nicht Alltägliches in der Stadt“, kam es von den Kollegen, die für ein paar Tage in der Niederlassung auf Arbeitsbesuch verweilten. Waren sie doch meist von weit her angereist und wollten was von der Landeshauptstadt sehen.

Was zeigt man, wenn jemand zu Besuch ist? Das, was im Reiseführer steht oder das, von dem man denkt, ein Hinführen wert sein könnte?

Schnell haben wir uns angewöhnt, mit den ausländischen Kollegen quer durch die Altstadt zu laufen. Vom Stachus aus der U-Bahn hinaus, die Neuhauser Straße hinauf in Richtung Viktualienmarkt, vorbei an den weltbekannten grünlich schimmernden Kirchturmspitzen, auch das gotische Rathaus mit seinem Glockenspiel musste links liegen bleiben. Der Viktualienmarkt stand später auf dem Programm und der Abstecher, in einen der bekannten Biertrinktempel war in die Abendstunden platziert.

Um das Rathaus herum abgebogen, durften die Kollegen einen oder auch zwei Blicke in die Schaufenster des Dallmayr werfen. An der Feldherrnhalle, im Vorbeigehen kurz erwähnt, was es ist, führte der Weg in den Hofgarten. War jemand der Kollegen überzeugend genug, kam es auf dem Hinweg schon mal zu einer Rast, in der hübsch plüschigen Atmosphäre des Tambosi´s, genau vor dem Hofgarten gelegen. Liefen wir weiter, dann war bald zu hören: „Woh, was für ein Gebäude ist das da?“ Und ein „bayerische Staatskanzlei“, folgte als Antwort. Gelang es, auf Englisch zu erklären, was genau darunter zu verstehen ist, wurde erst beim Haus der Kunst wieder hinterfragt, wem oder was das Gebäude dient. Noch ein paar Meter weiter waren wir dann, bei diesen, jenseits aller Standards verfolgten Stadtspaziergängen immer am Ziel: Surfen mitten in der Stadt!

Wir standen an der Eisbachwelle, entweder oben auf dem Brückenkopf oder gleich unten am Wasser, um den Surfern aus nächster Nähe zuzuschauen.

Wer jetzt den Kopf schüttelt und meint, Surfen in der Innenstadt sei eine freie Erfindung, der kann sich das in der bayerischen Landeshauptstadt anschauen. Der Münchner Eisbach besitzt eine „Standwelle“. In Gewässern mit ausreichend Fließgeschwindigkeit bildet sich eine stehende Welle, wenn das Wasser ein Hindernis überströmt. Das kann eine Stufe im Flussbett, jedoch auch ein am Grund liegender Felsbrocken sein. In München half man der Surferwelle über die Jahre ein wenig auf die Sprünge, optimierte die Bodenformation, wodurch die Welle, für erfahrene Surfer ein Sahnehäubchen des Surfens wurde. Es wird erzählt, dass dort das Surfen anfangs nicht legal war und Polizeieinsätze, zur Sicherstellung der Surfbretter, nicht selten in Verfolgungsjagden, durch den Englischen Garten endeten. Mittlerweile zieht die Welle Stadtsurfer aus der ganzen Welt an und an warmen Tagen ist für reichlich zuschauendes Publikum gesorgt, das gelegentlich auch Applaus, für besonders elegante Brettelfahrer spendet.

Kein Kollege, der den Weg nicht gerne mitgelaufen ist, denn in wie vielen Städten gibt es schon Surfwellen?

© Fabiennne 2021-04-08

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