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#seelenverwandter#paar#neueliebe

Glückliches Lachen

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Glückliches Lachen | story.one

Wie verabredet, trafen sie sich auf dem Marienplatz vor dem altehrwürdigen Rathaus. Martha war sich immer noch unschlüssig, über das Wieso, sie das machte, und doch ging eine unerklärliche Anziehung von der Situation aus. Allein die Vorstellung Oliver, den Mann im gelben Hemd wieder zusehen, versetzte sie in eine aufgekratzte Stimmung. Eine Art Vorfreude auf das Gleich hatte sie erfasst. Der große Brunnen sollte Treffpunkt sein und doch übersahen sie sich erst vor lauter Touristen, die die Stadt zur Sommerzeit belagerten. Martha bemerkte Oliver erst, als er neben ihr stand und mit seiner tiefen Stimme fragte: „Wo ist noch ein Dingsda frei oder gibt es hier keine?“

Sie drehte sich zu ihm hin und blickte in zwei übermütig funkelnde kastanienbraune Augen. Ein Lachen überstrahlte sein ganzes Gesicht.

Was war vor zwei Tagen zwischen ihnen passiert, dass sie alle Grundsätze über Bord warfen und sich auf ein zweites Mal trafen. Noch war es Zeit zu gehen. Aber sie begrüßten sich mit einer kurzen Umarmung und mit auf die Wange angedeuteten Küssen. Danach blieben sie erst mal ein wenig auf Abstand und beschlossen bummeln zu gehen. Sie lenkten ihre Schritte in Richtung Hofgarten und kehrten in dieses lustige plüschig schummerige Café am Beginn des Hofgartens ein.

Sie wollten Kaffee trinken gehen, das war ja der Anlass ihres Treffens oder? Oliver bestellte einfach zwei Latte Macchiato.

„Woher weißt du, dass ich einen Latte Macchiato will“, fragte Martha.

„Du siehst nach italienischem Milchkaffee aus“, kam es lachend von Oliver.

„Und wie sieht man dann so aus“, wollte Martha wissen.

„Strahlend über das ganze Gesicht lächelnd“, gab Oliver zurück und lachte. Ihre Blicke blieben ineinander hängen. Martha stieg Röte ins Gesicht, ihr war warm und sehr kribbelig zu mute. Oliver verlor sich im strahlenden Blau ihrer Augen. Die Augenblicke reihten sich wie Perlen an einer langen Kette.

Später schlenderten sie weiter bis zur Eisbachwelle. An Gesprächsstoff mangelte es ihnen nicht und manchmal lachten sie einfach nur zusammen über irgendetwas. Ihre Hände fanden sich ganz schüchtern und verhalten noch. An der Eisbachwelle blieben sie oben am Brückengeländer stehen, schauten den Surfern zu, wie die sich wagemutig in die Welle der Wellen warfen. Waren sie auch bereit, sich in die Strömung des Lebens zu werfen, in die sie geraten waren? Beide standen nah nebeneinander und ihre Oberarme berührten sich. Und hier schwiegen sie auch zum ersten Mal in der Gegenwart des anderen und spürten doch, wie beredet und voller Worte dieses Schweigen war. Stand jener eine Mensch der Menschen neben ihr, der Seelenpartner sein könnte? Für Martha waren diese Augenblicke unbeschreiblich. Sie fühlte sich zu Oliver hingezogen, weil seine Gegenwart ihr ein glückliches Lachen ins Gesicht zauberte.

© Fabiennne 2021-10-16

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