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Hüttenwirt am Untersberg

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Hüttenwirt am Untersberg | story.one

Weihnachten ist vorbei, mein Kollege Hannes und ich haben den Winterurlaub des Bauarbeiters – sprich „Stempeln“ gehen, angetreten. Gerade recht, für die Vorbereitung auf das Abenteuer Hüttenwirt. Wir haben vor kurzem das Zeppezauerhaus in einer Art Personal-Union übernommen. Hannes als Hüttenwirt – ich als sein kongenialer Haus- und Hofmeister. Offizielle Eröffnung ist zu Ostern, aber so lange wollen wir nicht warten. Wir planen eine Silvesterparty auf der Hütte.

Wir sind Nobodys in Sachen Gastronomie, aber das kompensiert der Ehrgeiz, die besten Hüttenwirte aller Zeiten zu werden. Wir wissen was Logistik ist, aber am Berg ticken die Uhren anders. Es kann dauern, bis man Stück für Stück auf die Hütte bekommt. Zunächst ordern wir Brennmaterial in Form von Briketts, die sind zwar schwer und belasten unser Transportkosten-Budget bei der Untersberg-Seilbahn, andererseits kann man damit die beiden Kachelöfen rationeller beheizen.

Es geht los! Fünfzig Kisten Bier, zwanzig Kisten Limo, 100lt Wein, an Schnaps bieten wir Enzian, Vogelbeer, Williams und ein paar Damengetränke wie Kroatzbeere und Apfelkorn an. Mit vereinten Kräften, die Bergrettungskollegen und Freunde helfen uns, weil die hauseigene Materialseilbahn total eingeschneit ist, mit dem Abtransport in das100 Höhenmeter tiefer gelegene Zeppezauerhaus. Als große Hilfe erwies sich der Akja-Bergeschlitten aus dem Fundus der Bergrettung, da passen fünf Kisten hinein, jeder der zwei Akja-Fahrer bekommt noch einen Rucksack mit Lebensmitteln umgeschnallt und los geht’s. Zweimal schmeißen wir um, die Bierflaschen flitzen wie Geschosse unter die Latschen. Nach der Schneeschmelze werden sie wieder zum Vorschein kommen, vielleicht zum Wohle eines Bergsteigers. Prost!

Nun beginnt das tagelange Aufheizen der Hütte. Die unverwüstliche Schneider Kathi hat sich bereit erklärt, uns Greenhorns in ihre Kochkünste einzuweihen. Wer die Kathi kennt, der weiß, bevor das Gericht nicht perfekt ist, wird weiter geübt. In diesen Tagen gibt es reichlich Futter für die Bergdohlen, denn, als würden sie wissen was da gerade abgeht, sitzen ganze Scharen dieser frechen Vögel am Fenstersims und warten auf unsere verpatzten Kochkünste.

Silvestertag 16:00 Uhr. Die Untersberg-Seilbahn spuckt die letzten Gäste für diesen Tag aus. Alles in Allem lauter Freunde, zum Teil leicht eingespritzt und in normaler Straßenkleidung. Wir holen sie mit Decken und Anoraks von der Bergstation ab und bringen sie sicher in die Hütte. Minusgrade und eisiger Wind machen die Sache nicht einfacher. Original-Jagatee, selbst produziert, ist jetzt angesagt. Unser Problem: Wie können wir bis Mitternacht die Leute bei Laune halten, ohne besoffen zu werden.

Die Nacht ist klirrend kalt. Ein klarer Himmel zeigt uns von oben die Stadt Salzburg in ihrem ganzen Glanz unter einem gigantischen Feuerwerk. Oh Freude schöner Götterfunken ... plärrt es aus einem Kofferradio. Prosit Neujahr!





© Ferdinand F. Planegger 2019-12-12

Bergerlebnis

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