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#vertrauen#lockdown30klappe#wienerleben

Fahren Sie rechts ran!

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Fahren Sie rechts ran! | story.one

Am Rückweg von einem Ausflug fahre ich an meinem Blumenhändler vorbei. Siehe da, er hat offen, denn ich sehe lauter bunte Frühlingsblüher in Töpfen und Tulpen in allen Farben. Das kann ich mir nicht entgehen lassen und ein kleiner Plausch mit Mustafa würde mich freuen. Ich habe Glück, es ist kein Gegenverkehr und ein Parkplatz auf der anderen Straßenseite ist frei, also ziehe ich sportlich nach links und parke. Ich klopfe an die Geschäftstüre und Mustafa kommt mit unverhülltem Gesicht zu mir. Wir freuen uns beide und berichten über unsere Lockdownzeit. Der Friseur und der Blumenhändler. Ich mag ihn wirklich, er ist ein grader Michl, einer der sich bemüht alles richtigzumachen und dabei noch seinen Kopf und den seiner Frau über Wasser zu halten. “Ich bin jetzt Blumendealer. Genau so komm ich mir vor. Ich sitze den ganzen Tag im Geschäft, die Tür verschlossen, es darf keiner eintreten und ich komm nur kurz raus, wenn jemand etwas kaufen möchte.”

Ich nehm zwei von den blauen Traubenhyazinthen und 5 Bund rote langstielige Tulpen. Sonderpreis. "I brauch ka Rechnung!”, rufe ich ihm noch nach und er lacht, als er meine Blumen einpackt.

Die Beute verstaut, ich warte bis alles frei ist, hau den Blinker raus und ziehe sportlich auf die andere Straßenseite rüber, atme aus und tue so als wäre nichts gewesen. Ein Blick in den Rückspiegel und ich lese die Aufschrift POLIZEI. Mist. Und schon geht das Blaulicht und alle möglichen anderen Lichter hinter mir an. Ich gehe davon aus, dass sie mich meinen und bleibe stehen. Langsam geht mein Fenster runter und ein vollbesetzter Polizeibus hält neben mir. “Fahren Sie vorne rechts ran, wo man stehenbleiben kann!“ Eskortiert von der Polizei fahre ich weiter bis ich einen Platz zum Anhalten finde.

“Fahrzeug und Lenkerkontrolle. Führerschein und Zulassungsschein bitte. Wissen Sie, warum wir sie angehalten haben?” 4 Ordnungshüter stehen mir gegenüber, allesamt fesche Burschen mit wachen Augen und klaren Aussagen. Keine Diskussion, ich gestehe mein Vergehen. Die verhängnisvolle Sperrline. Das Pannendreieck mit dem Verbandskasten finde ich, allerdings bleibt die Warnweste verschollen. Ich drehe mein ganzes Auto um, aussichtslos. Da kommt ein Angebot “Sie kennan sichs aussuchen. 50€ für die Sperrlinie oder Sie hören auf zu suchen, wir machen 20€ für die fehlende Warnweste und vergessen die Sperrlinie.” Ich höre auf zu suchen und lächle den feschen Polizisten an, “Ich nehm die Weste. Danke für Ihr Entgegenkommen.”

Während mein Ticket geschrieben wird, erzähle ich vom Blumenhändler, dass ich Friseur bin, kommt auch raus und dass ich bald auf 3 ½Monate Sperre komme, innerhalb eines Jahres. “Mah, i bräucht eh an Haarschnitt. Lass ma des Ticket und ich komm auf an Hoarschnitt.” Wir lachen. “Ich darf ja ned”, sag ich achselzuckend. Dann schaut er von seinem Block auf und sagt, “Also I, würd von daham aus arbeiten. Muss ja keiner wissen.”

Danke für den Hinweis!

Es gibt sie noch. Die coolen Kiwara!

© Figaro 2021-01-23

Lockdown - 3.(0) KlappeCopstories

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