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#nurimsüden

Die Jagd durch die Ewige Stadt

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Die Jagd durch die Ewige Stadt | story.one

Die erste Begegnung mit der Ewigen Stadt machte ihrem Namen alle Ehre, warteten wir doch genervt am Flughafen eine gefühlte Ewigkeit auf unser Gepäck. Da wusste ich noch nicht, wie wertvoll Warten sein kann. Das gemietete Apartment lag im Künstlerviertel Trastevere und war dementsprechend kreativ, etwa mit Jazzmusik in der Dusche, gestaltet. Es hätte ein Ort zum Verweilen sein können, aber wir waren nicht in der Stadt, um die Wohnung zu genießen. Deshalb: Gepäck abstellen und wieder raus, Viertel erkunden, Supermarkt suchen, Espresso trinken und zurück nach Hause.

1. Tag: Der Wecker läutete früh, für meine Urlaubsverhältnisse zu früh, aber gut, was tut frau nicht alles, um ihre Begleiterin zufriedenzustellen. Nach dem kurzen Frühstück fiel der Startschuss für den Tagesmarsch: Quer durch Trastevere, den Tiber entlang zur Engelsburg, einmal durch ihr Inneres, weiter auf den Markusplatz den Petersdom bestaunen, über die Piazza Navona mit einem schnellen Foto vor der Fontana di Fiumi, durch das Pantheon weiter zur Fontana di Trevi, schneller Kampf mit anderen Touristen um den besten Winkel. Jetzt nur nicht schwächeln. Der nächste Punkt war die Spanische Treppe und auf ihr rasteten wir ganze 10 Minuten (Gott sei Dank gab es das Sitzverbot noch nicht!), danach mussten wir weiter, die Treppe hinauf, um aus der Ferne den Petersdom im Sonnenuntergang zu sehen.

2. Tag: Weiter geht die rasante Tour durch ein paar Viertel zum Colosseum. Nach einer Runde durch die alten Mauern bewegten wir uns über das Forum Romanum zur Piazza Venezia. Am Campo di Fiori gab es eine kurze Pause, bevor wir erneut zum Markusplatz starteten, hatten wir doch einen Termin in den Vatikanischen Museen. Gegen Abend warfen wir schnell eine Pizza ein und fielen erschöpft ins Bett.

3. Tag: Der Wecker war erneut gnadenlos, aber meine Augen gehorchten ihm nicht und mein Körper sehnte sich nach Erholung; ich war doch auf Urlaub. Also blieb ich liegen. 30 Minuten später brach der Zorn der Jagdgöttin über mich herein und selbst der zaghafte Versuch, mir die Decke über den Kopf und mich dadurch aus der Affäre zu ziehen, zeigte keine Wirkung. Den Reiseführer in der Hand erklärte sie mir, dass sie ihre geplanten Ziele in den verbleibenden 3 Tagen nie mehr erlegen könnte. Die Göttin hatte gesprochen, aber vergessen, dass Predigten bei Morgenmuffeln nicht auf diplomatischen Boden fallen. Der Streit brach los und nach einem intensiven Kampf Frau gegen Frau gab es einen Waffenstillstand. Erst am Nachmittag konnten wir den Friedensvertrag unterzeichnen.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und würde nicht innerhalb eines Tages untergehen; eine Wiederkehr war also möglich – endlich ein Argument, um das Jagdtempo zu verringern. Am Tiber oder in Lokalen sitzend und durch Gassen schlendernd genossen wir in den verbleibenden Tagen die Sonne und saugten die Atmosphäre in uns auf. In trauter Zweisamkeit erkannten wir: Rom hat mehr zu bieten als Kultur – einen Hauch von Ewigkeit.

© Verena Lechner 2021-02-04

Reisen

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