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#abenteuer

Iceland Extreme

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Iceland Extreme | story.one

„Da runter?“ Meine Pupillen weiteten sich während ich auf das kleine Loch im Boden starrte. Als ich mich für diese Höhlentour entschieden hatte, dachte ich an ein Portal, durch das ich einigermaßen aufrecht einsteigen konnte, nicht an einen Sprung ins Ungewisse.

Bereits die Anfahrt war ein Erlebnis. In Reykjavik hatte uns der Guide mit einem wuchtigen Geländewagen mit der Aufschrift „Iceland Extreme“ abgeholt. Der war auch notwendig, denn nach gut 40 Kilometern bogen wir auf einen Feldweg ab, der beständig anstieg. Während sich das Auto einen Weg durch die grüne Landschaft suchte und – im wahrsten Sinne des Wortes – über Stock und Stein nach oben kletterte, wurden wir im Inneren durchgeschüttelt. Mitten im Nichts hielten wir an und waren nach einem kurzen Fußmarsch bei diesem „Loch“ zu „Cave Búri“ angekommen.

Der Guide wiederholte, was uns in den nächsten 2 Stunden erwartete: Absolute Dunkelheit, Schutt, über den wir klettern mussten, niedrige Stellen, die wir in der Hocke passieren würden und stellenweise Eis. Nachdem er geendet hatte, setzten wir die Helme auf, checkten die Lampen und los ging’s. Eine nach der anderen verschwand im Einstieg. Als ich an der Reihe war, reichte ich den Rucksack vorab in die Tiefe – ein Durchkommen zwischen den Steinen war sonst unmöglich. Nach der engsten Stelle spürte ich die Hände, die meine Füße leiteten und schon war ich im Inneren.

Die große Stablampe in der Hand fühlte ich mich wie eine Höhlenforscherin. Vorsprung: Geduckt darunter durchgehen. Geröllhaufen: Oben drüber und dabei nicht ausrutschen. Immer wieder hielten wir an, damit uns der Guide erklären konnte, was wir durch das Licht der Taschenlampe erkennen konnten. Wände durchzogen von rot-gelbem Gestein, die sich mit glatten, asphaltartigen Stellen, Eiszapfen und Stalaktiten aus dunkelgrauer Lava, die gleichmäßig, wie Tropfen von der Decke hingen, abwechselten. Stellenweise konnte man die erstarrten Fließbewegungen erkennen. Es war beeindruckend und das Abenteurerinnenherz in meiner Brust schlug höher, war ich doch mitten in der Luftblase eines erstarrten Lavastroms, einfach unglaublich.

Nach rund 50 Minuten erreichten wir das Ende der Tour: einen Krater von rund 10 Metern Durchmesser, der senkrecht ins Nichts abfiel und dessen Ränder wir nur mit vereinter Kraft der Taschenlampen ausmachen konnten.

Auf dem Rückweg bestaunte ich die Wände mit ihren unterschiedlichen Gesteinsebenen und sog die Farben in mich auf. Plötzlich durchbrach ein Schrei die Stille. Eine Teilnehmerin war gestürzt. Sofort waren wir bei ihr und sahen ihre aufgeschlagenen Knie. Ein kühlender Eiszapfen und 10 Minuten Ruhe, halfen ihr Gott sei Dank wieder auf die Beine. Langsamer setzten wir den Weg fort.

Wieder am Ausstieg halfen wir der Verletzten an die Oberfläche. Sie war froh, das Tageslicht zu sehen und ihren schmerzenden Knien auf der Wiese Ruhe zu gönnen. Ich hingegen war etwas wehmütig, zu schnell war dieses große Abenteuer vorbei.

© Verena Lechner 2021-02-21

ReisenIsland - Insel zwischen Feuer und Eis

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